27 April 2026, 12:27

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das Schweigen über die Armenier brechen müssen

Ein hoher Monument mit einer Uhr darauf, mit Text beschriftet, steht in einem Park umgeben von Bäumen und Gebäuden unter einem klaren Himmel, zum Gedenken an den 24. Jahrestag des Völkermords in Armenien.

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das Schweigen über die Armenier brechen müssen

In diesem Jahr jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum 111. Mal – ein Verbrechen, bei dem unter dem Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Armenier ermordet wurden. Trotz Forderungen nach einer Aufarbeitung des Themas im Unterricht wird dieses historische Ereignis in vielen Klassenzimmern nach wie vor kaum behandelt. Gründe dafür sind überfüllte Lehrpläne, begrenzte Ressourcen und Wissenslücken bei Lehrkräften.

2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die Schulen aufforderte, den Völkermord an den Armeniern in ihre Lehrpläne aufzunehmen. Das Vorhaben zielte darauf ab, dass Schülerinnen und Schüler über die Gräueltaten von 1915 aufgeklärt werden – insbesondere vor dem Hintergrund der damaligen Mitverantwortung Deutschlands. Doch Jahre später fehlt das Thema noch immer in vielen Unterrichtsplänen.

Um diese Lücke zu schließen, veröffentlichte der Reclam Verlag im März Laura Cwiertnias Roman "Auf der Straße haben wir andere Namen" als Schullektüre. Das Buch setzt sich mit den Themen Völkermord, Überleben, Gewalt und Diskriminierung auseinander und bietet Jugendlichen einen emotionalen Zugang zu der Thematik. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers steuerte ein Nachwort sowie historischen Kontext bei, um Diskussionen im Unterricht zu unterstützen.

Befürworter fordern, den Völkermord von 1915 verbindlich in den Lehrplänen zu verankern. Gerade der Literaturunterricht biete ihrer Ansicht nach die Möglichkeit, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen – und so sowohl Verständnis als auch kritische Reflexion zu fördern.

Die Veröffentlichung von Cwiertnias Roman gibt Lehrkräften nun ein neues Werkzeug an die Hand, um den Völkermord an den Armeniern im Unterricht zu behandeln. Mit strukturierten Materialien und fachkundiger Begleitung verfügen Schulen über mehr Ressourcen, um die Bundestagsresolution von 2016 umzusetzen. Die Hoffnung ist, dass eine größere Präsenz des Themas in den Klassenzimmern dazu beiträgt, diese Geschichte weder in Vergessenheit geraten zu lassen noch ihre Wiederholung zuzulassen.

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