«Bloodbook» auf der Bühne: Eine genderfluide Heldin zwischen Scham und Selbstliebe
Hans D. Finke«Bloodbook» auf der Bühne: Eine genderfluide Heldin zwischen Scham und Selbstliebe
Die Bühnenadaption von Bloodbook feiert Premiere vor ausverkauftem Haus
Die Theaterfassung von Bloodbook, dem preisgekrönten Roman von Kim de l'Horizon, hatte am Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg ein fulminantes Debüt vor ausverkauftem Publikum. Das Stück begleitet Kim, eine genderfluide Protagonistin, die auf der Suche nach Selbstakzeptanz in einem Körper ist, der sich binären Definitionen entzieht. Auf der Bühne entfaltet sich ihre Geschichte durch eindrucksvolle Bilder und eine rohe, emotional aufgeladene Inszenierung.
Die Produktion beginnt mit dem Titel Bloodbook, der in roter gotischer Schrift über einem weißen Fransenvorhang leuchtet. Von der Decke hängen zerrissene, beige Strumpfhosen, gefüllt mit Sand und beschwert mit Bällen – Symbole für Kims fragmentierte Identität. Die Musik schwillt an, während Kim in zerbrechlichen weißen Spitzenkleidern einen imaginären Laufsteg entlangschreitet und dabei Verletzlichkeit mit Trotz verbindet.
Kims Weg beginnt, als die Demenz ihrer Großmutter sie zwingt, sich mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Sicherheit findet Kim nur unter der Blutbuche, die ihr Urgroßvater gepflanzt hat – ein brüchiger Halt in einer sich wandelnden Welt. Die Rolle der Hauptfigur wird von drei Schauspieler:innen verkörpert: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger, die jeweils eine andere Facette von Kims fließender Existenz zum Leben erwecken.
Der Roman selbst schrieb 2022 Geschichte, als er sowohl mit dem Deutschen als auch mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde. Nun verwandelt die Bühnenversion seine Themen von Scham, Wandlung und Zugehörigkeit in ein mitreißendes Erlebnis. Die Intensität des Stücks spiegelt Kims Kampf wider, Selbstzweifel in radikale Selbstliebe umzuwandeln.
Die Premiere markiert eine kühne Adaption eines bahnbrechenden Werks. Mit ihrem ausverkauften Debüt bringt die Inszenierung Kims Geschichte durch Bewegung, Klang und pure Emotion auf die Bühne. Das Stück läuft weiterhin an der Vaganten Bühne und gibt dem Publikum die Gelegenheit, eine Reise von Identität und Widerstandskraft mitzuerleben.






