David Hockney stirbt mit 88 – ein Abschied vom farbenfrohen Genie der modernen Kunst
Elfriede WielochDavid Hockney stirbt mit 88 – ein Abschied vom farbenfrohen Genie der modernen Kunst
David Hockney, einer der einflussreichsten Künstler seiner Generation, ist im Alter von 88 Jahren in London gestorben. Sein Werk, bekannt für seinen lebensfrohen Hedonismus und spielerische Experimentierfreude, hinterlässt ein bleibendes Erbe in der westlichen Kultur. Über sechs Jahrzehnte blieb er mit der Öffentlichkeit verbunden und prägte wie kaum ein anderer den Zeitgeist seiner Epoche.
Geboren als viertes von fünf Kindern in Yorkshire, wuchs Hockney in bescheidenen Verhältnissen auf. Doch Neugier und Entschlossenheit trieben ihn voran. Mit 23 Jahren, während seines Studiums am Royal College of Art, malte er in einer kleinen Kabine, wo Passanten ihm zuschauen konnten. Die Wände waren mit Ausschnitten halb nackter Männer aus amerikanischen Magazinen tapeziert – eine provokante Geste, die Aufmerksamkeit erregte.
Sein Aufstieg war rasant: Mit 33 erhielt er seine erste Retrospektive. Seine Kunst wirkte oft wie ein spielerisches Experiment, das Genres und Stile zu frischen, zugänglichen Bildern verschmolz. Eines seiner berühmtesten Werke, „A Bigger Splash“, zeigt ein idealisiertes Bungalow mit Pool unter strahlendem Himmel – in kräftigen Acrylfarben gemalt, fast wie eine Hommage an das kalifornische Lebensgefühl.
Hockney reiste häufig in die USA, zunächst per Schiff. 1968 beschlagnahmte der britische Zoll Magazine, die er aus New York mitgebracht hatte – sie wurden als pornografisch eingestuft. Doch Scheu vor neuen Herausforderungen kannte er nicht: Er experimentierte mit handgeschöpftem Papier, Polaroid-Fotografie und sogar mit Fragmentierung, wie in „A Closer Grand Canyon“, einem monumentalen Werk aus 63 kleinen Leinwänden.
Seine hedonistischen Motive wurden zu einem selbstverständlichen Teil des kulturellen Kanons. Stets innovativ und öffentlichkeitswirksam, festigte Hockney seinen Ruf als prägende Figur der modernen Kunst. In London ist er nun gestorben – zurück bleibt ein Vermächtnis unermüdlicher Kreativität und Einflussnahme.
