Deutschland blockiert EU-Methanregeln und riskiert Streit um Flugtreibstoff-Importe
Hagen SieringDeutschland blockiert EU-Methanregeln und riskiert Streit um Flugtreibstoff-Importe
Deutschland hat sich einer Gruppe von EU-Regierungen angeschlossen, die sich gegen die geplanten Methan-Emissionsvorschriften der Union für importiertes Öl und Gas aussprechen. Der deutsche Wirtschaftsminister warnte, die Regelung könnte die Einfuhren von Erdölprodukten gefährden – darunter auch Kerosin für die Luftfahrt. Der Streit eskaliert zu einem Zeitpunkt, an dem die Preise für Flugtreibstoff aufgrund von Lieferunterbrechungen in der Straße von Hormus steigen.
Die EU-Verordnung zielt darauf ab, Methanlecks entlang der globalen Öl- und Gas-Lieferketten einzudämmen. Methan ist der zweitgrößte Verursacher der globalen Erwärmung, und die neuen Standards sollen die Anforderungen an importierte Brennstoffe verschärfen. Doch Deutschlands Wirtschaftsministerin Katherina Reiche forderte eine Verschiebung oder Aussetzung der Regeln, um Risiken für Gas- und Erdölimporte zu vermeiden.
Zwölf weitere EU-Mitgliedstaaten haben ebenfalls eine dreijährige Verzögerung gefordert. Die EU-Minister werden diesen Antrag in den anstehenden Verhandlungen erörtern. Auch außerhalb Europas gibt es Widerstand: Die USA warnten, die Vorschriften könnten die Gaslieferungen in die Union beeinträchtigen.
Erdöl- und Gashändler aus Drittstaaten kritisieren die Regelung als mögliche Handelsbarriere. Die Europäische Kommission arbeitet nun daran, Bedenken bei der Umsetzung auszuräumen, ohne ihre Klimaziele aus den Augen zu verlieren. Umweltschutzorganisationen und einige Analysten halten dagegen: Es gebe bereits konforme Treibstofflieferungen, ein Aufschub sei unnötig.
Der Konflikt zeigt, wie ESG-Vorgaben den Brennstoffhandel zunehmend prägen. Die Methanbilanz entwickelt sich zu einem entscheidenden Kriterium für den Marktzugang. Die anstehenden EU-Beratungen werden entscheiden, ob die Regeln wie geplant umgesetzt werden – oder ob es zu Verzögerungen kommt.
