Die Wahrheit
Die Wahrheit
Ankündigung Dank ständiger Berichterstattung sind Merz’ Patzer selbst über die Grenzen des Sauerlands hinaus in Echtzeit bekannt. Was folgt, ist oft noch erschreckender.
25. November 2025, 23:22 Uhr
Bundeskanzler Friedrich Merz gerät in die Kritik, nachdem er abfällige Bemerkungen über Belém in Brasilien gemacht hat – die Gastgeberstadt des bevorstehenden COP30-Klimagipfels. Bei einer Rede auf dem Berliner Handelskongress letzte Woche deutete er an, die Teilnehmer würden erleichtert sein, die Stadt wieder verlassen zu können. Die Äußerungen lösten Empörung aus und führten zu einem angespannten, letztlich aber höflichen Treffen mit Brasiliens Präsident Lula beim G20-Gipfel in Johannesburg am Wochenende.
Merz’ Kommentare über Belém fielen während einer Ansprache, in der er die Attraktivität der Stadt als Veranstaltungsort infrage stellte. Sein spontaner, oft sowohl gelobter als auch umstrittene Redestil sorgte diesmal für Aufsehen – diesmal bei brasilianischen Beamten und Medien.
Die Folgen reichten bis zum G20-Gipfel in Südafrika, wo Merz am Samstag mit Präsident Lula zusammentraf. Berichten zufolge war ihr 40-minütiges Gespräch offen, aber konstruktiv. Lula konterte die Kritik, indem er den Kanzler einlud, die brasilianische Kultur selbst zu erleben – etwa durch Tanzen und das Genießen der lokalen Küche. Merz reagierte mit einer scherzhaften Zusage: „Super, beim nächsten Mal gehen wir zusammen tanzen.“ Nicht zum ersten Mal vertiefen Merz’ Versuche, seine Aussagen zu erklären, die Kontroverse. Seine Gewohnheit, nachzulegen – oft in unglücklichen Formulierungen – ist zu einem wiederkehrenden Muster geworden. So entpuppte sich etwa die Legende, der ehemalige Bundespräsident Heinrich Lübke habe Königin Elizabeth II. einmal den Satz „Gleich geht’s los“ gesagt, später als Erfindung des Spiegel-Journalisten Ernst Goyke.
Trotz der Spannungen verließen beide Staatsmänner das Treffen mit diplomatischer Fassade. Merz versprach, Belém gründlicher zu erkunden, scherzte sogar über das Erlernen brasilianischer Tanzschritte – ein Versuch, die vorherige Beleidigung zu überspielen.
Der Austausch zeigt das schwierige Gleichgewicht zwischen direkter Diplomatie und kultureller Sensibilität. Merz’ Ankündigung, sich intensiver mit Brasilien auseinanderzusetzen, könnte vor dem COP30-Gipfel die Wogen glätten. Vorerst bleibt die Episode ein weiteres Beispiel dafür, wie sein unfilterter Stil sowohl Reibung als auch unerwartete Dialogchancen schaffen kann.