Hettich-Mitarbeiter verzichten auf 1.000 Euro – um das Unternehmen zu retten
Hagen SieringHettich-Mitarbeiter verzichten auf 1.000 Euro – um das Unternehmen zu retten
Tausende Mitarbeiter des Möbelzulieferers Hettich haben sich bereit erklärt, eine anstehende Gehaltserhöhung zu verschieben. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund finanzieller Schwierigkeiten des Unternehmens in einer krisegeplagten Branche. Über 90 Prozent der Belegschaft stimmten dem Vorschlag zu und verzichten damit im kommenden Jahr auf jeweils mehr als 1.000 Euro.
Die ursprünglich für den 1. April vorgesehene Lohnerhöhung von 3,1 Prozent war bereits verschoben worden. Hettich begründete dies mit schwacher Rentabilität und schwierigen Marktbedingungen. Durch die Verzögerung erhofft sich das Unternehmen eine Ersparnis von mehreren Millionen Euro.
Die Gewerkschaft IG Metall kritisierte die Entscheidung scharf und warf Hettich vor, Druck auf die Belegschaft auszuüben. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und betonte, der Aufschub sei aufgrund der wirtschaftlichen Lage unvermeidbar. Hettich steht mit seinen Problemen nicht allein da – auch andere Möbelhersteller wie Homann Holzwerkstoffe verzeichnen rückläufige Gewinne.
Homann verbuchte 2025 zwar einen Umsatz von 383,1 Millionen Euro, doch das bereinigte EBITDA sank von 56,3 auf 38,2 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr rutschte das Unternehmen sogar in die Verlustzone, obwohl der Umsatz leicht auf 195 Millionen Euro stieg. Steigende Verbraucherpreise und Anlaufkosten für ein neues Werk in Litauen belasteten die Bilanz zusätzlich.
Angesichts nachlassender Nachfrage und steigender Kosten kämpft die gesamte Branche mit Absatzproblemen. Die Verbraucherpreise kletterten im Februar 2026 auf 123,1 Punkte – ein Anstieg gegenüber 120,8 im Vorjahresmonat. Diese Entwicklung hat vermutlich zu sinkenden Aufträgen und Stellenabbau in der Branche geführt.
Die Belegschaft von Hettich muss nun länger auf die vereinbarte Lohnerhöhung warten. Die Verzögerung hilft dem Unternehmen, in einer schwierigen Phase für die Möbelindustrie die Kosten zu senken. Die Mitarbeiter verzichten auf jeweils über 1.000 Euro, während das Unternehmen seine Finanzen stabilisieren will.






