Kulturminister Weimer löst mit Buchpreis-Streit Eklat auf Leipziger Buchmesse aus
Margot RudolphBuhrufe und Kritik für Wolfram Weimer in Leipzig - Kulturminister Weimer löst mit Buchpreis-Streit Eklat auf Leipziger Buchmesse aus
Kulturminister Wolfram Weimer sah sich diese Woche auf der Leipziger Buchmesse heftiger Kritik ausgesetzt. Seine Entscheidung, drei linksgerichtete Buchhandlungen von einer bedeutenden Auszeichnung auszuschließen, löste Proteste, politische Auseinandersetzungen und Rücktrittsforderungen aus.
Die Kontroverse begann im März 2026, als Weimer den drei Buchhandlungen die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 verweigerte – unter Berufung auf Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Kritiker warfen ihm vor, seine Befugnisse zu überschreiten und die Meinungsfreiheit einzuschränken, während Befürworter betonten, er verteidige damit verfassungsmäßige Werte.
Der Streit eskalierte, nachdem Weimer bekannt gab, den drei Buchhandlungen die bereits zugesprochenen Preise zu entziehen. Als Begründung führte er Berichte des Verfassungsschutzes an, die Verbindungen zu extremistischen Aktivitäten nahelegten. Rechtswissenschaftler, darunter die Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger, verurteilten die Entscheidung als politisch motiviert und intransparente Willkür. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sprach von einem Angriff auf linke Stimmen, während PEN Berlin vor schleichender staatlicher Einflussnahme auf die Kultur warnte.
Bei der Eröffnungsfeier der Buchmesse wurde Weimer mit Buhrufen und eisiger Distanz empfangen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung begrüßte ihn nur mit spürbarer Kühle – ein Zeichen für die lokale Ablehnung. Draußen versammelten sich Hunderte Demonstranten vor dem Gewandhaus, skandierten "Rücktritt!" und bezeichneten ihn als "Kulturkampfminister". Selbst Weimers Versuch, sich auf den Philosophen Jürgen Habermas und dessen Aufruf zu vernünftigem Dialog zu berufen, konnte die Gemüter nicht beruhigen.
Die Auseinandersetzung weitete sich aus, als Weimer überraschend 7 Millionen Euro für den Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig einfror. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer konterte scharf, bestand auf die Fortführung des Projekts und forderte die Freigabe der Mittel. Weimer schlug später Reformen für den Buchpreis vor, darunter eine neue Kategorie für Kinder- und Jugendbuchhandlungen – doch der Vorstoß milderte die Welle der Empörung kaum. Die Preisverleihung wurde schließlich angesichts des Tumults abgesagt.
Die Folgen von Weimers Entscheidungen haben die Kulturbranche in Aufruhr versetzt. Buchhändler, Verlage und Vertreter der Meinungsfreiheit kämpfen weiterhin gegen den Ausschluss der drei Buchhandlungen. Gleichzeitig drängen Sachsens Verantwortliche auf die Freigabe der blockierten Gelder für die Bibliothekserweiterung.
Weimers Vorgehen hat zudem die Debatte über staatliche Kontrolle im Kulturbereich neu entfacht. Juristen und Branchenvertreter warnen vor langfristigen Schäden für die künstlerische Freiheit. Weder im Streit um den Buchpreis noch bei der Bibliotheksfinanzierung ist bisher eine Lösung in Sicht.






