Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom FID Marseille zurück
Margot RudolphNadav Lapid zieht sich nach Boykott-Debatte vom FID Marseille zurück
Ein Streit ist über die geplante Teilnahme des israelischen Regisseurs Nadav Lapid als Jurymitglied beim internationalen Filmfestival FID Marseille entbrannt. Die Kontroverse führte zum Rückzug mehrerer Filmemacher und zwang Lapid letztlich, sich von der Veranstaltung zurückzuziehen. Mittlerweile haben über 350 Branchenvertreter einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie den kulturellen Boykott gegen ihn verurteilen.
Der Konflikt begann, als Festivalleiterin Tsveta Dobreva Lapid einlud – einen scharfen Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu. Sie betonte, die Einladung basiere allein auf der Wertschätzung für sein Werk. Sein Film Yes aus dem Jahr 2023 wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ beschrieben. Lapid lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich.
Als der Druck zunahm, zogen rund zehn Filmemacher ihre Beiträge aus dem Festivalprogramm zurück. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, eine der Rückziehenden, wies den Vorwurf der Zensur zurück. Lapid willigte schließlich ein, sich zurückzuziehen, um weitere Schwierigkeiten für das Festival zu vermeiden, äußerte jedoch Frustration über die eskalierenden Forderungen.
Als Reaktion veröffentlichte Le Monde zwei Stellungnahmen zu seiner Verteidigung. Eine, unterzeichnet von prominenten Persönlichkeiten wie Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, wandte sich gegen intellektuelle Feigheit und sprach sich für den fortgesetzten Dialog aus. Eine zweite, betitelt Kino ist keine Botschaft, kritisierte die Logik des Boykotts und warf ihm vor, einen Künstler auf seine Nationalität zu reduzieren.
Mit Lapids Rückzug endete sein Engagement beim Festival. Die offenen Briefe und Stellungnahmen verdeutlichen die tiefen Gräben in der Debatte über kulturelle Boykotte und künstlerische Freiheit. Die Diskussion hält in der Filmbranche weiter an.
