Volkswagen-Aktie auf Rekordtief: Schnäppchen oder Risiko für Anleger?
Margot RudolphVolkswagen-Aktie auf Rekordtief: Schnäppchen oder Risiko für Anleger?
Volkswagen-Aktie notiert auf ungewöhnlich niedrigem Niveau
Die Aktie von Volkswagen wird zu außergewöhnlich niedrigen Bewertungen gehandelt – mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 3,7 für dieses Jahr und nur 3,0 für 2027. Anleger bleiben skeptisch gegenüber deutschen Autowerten, insbesondere wegen langfristiger Zweifel an den Wachstumschancen der Branche in Asien. Der aktuelle Aktienkurs von 72,54 Euro steht im Kontrast zu den für nächstes Jahr prognostizierten Gewinnen von 24,21 Euro pro Aktie – und wirft die Frage auf, ob es sich hier um ein Schnäppchen handeln könnte.
Die Unternehmensführung von Volkswagen bereitet derweil weitreichende Einschnitte vor, die bis zu 100.000 Arbeitsplätze und vier deutsche Standorte betreffen könnten. Konzernchef Oliver Blume und weitere Führungskräfte räumen ein, dass zentrale Sparten weiterhin hinter der Konkurrenz zurückliegen und daher eine neue Runde der Umstrukturierung notwendig sei. Der Aufsichtsrat wird diese Pläne auf seiner Sitzung am 9. Juli prüfen.
Das Land Niedersachsen, das mit 20,2 Prozent an Volkswagen beteiligt ist, verfügt über eine Sperrminorität, die weitreichende Entscheidungen blockieren kann – was mögliche Entlassungen oder Werksschließungen zusätzlich erschwert. Gleichzeitig pocht der einflussreiche links-grüne Flügel im Unternehmen, gestützt von Arbeitnehmervertretern, seit Langem auf hohe Löhne und einen großen Stellenbestand und lehnt tiefgreifende Veränderungen ab. Daniela Cavallo, die mächtigste Arbeitnehmervertreterin bei Volkswagen, war zwar in früheren Verhandlungen zu Kostensenkungen eingebunden, doch die jüngsten Pläne zu Stellenstreichungen trafen sie offenbar unerwartet.
Trotz solider Gewinne hält die Zurückhaltung der Anleger den Aktienkurs gedrückt. Die geplante Verkleinerung des Konzerns und die anstehenden Aufsichtsratsberatungen könnten die künftige Ausrichtung des Unternehmens prägen. Analysten sehen in der niedrigen Bewertung zwar eine mögliche Chance – doch politische und arbeitsrechtliche Hürden könnten den Wandel bremsen.
