Von 400 Exemplaren zur umstrittenen Medienmacht: Die Junge Freiheit wird 38
Elfriede WielochVon 400 Exemplaren zur umstrittenen Medienmacht: Die Junge Freiheit wird 38
1986 gründete Dieter Stein mit nur 18 Jahren die Junge Freiheit (JF). Die ersten 400 Exemplare transportierte er in einem Pappkarton auf dem Gepäckträger seines Fahrrads nach Hause. Was als kleines konservatives Blatt begann, entwickelte sich bald zu einer Publikation, die gleichermaßen Kontroversen auslöste wie treue Leserschaft band.
Ohne finanzielle Rückendeckung gegründet, mussten die frühen Mitstreiter die Druckkosten selbst tragen. Die Zeitung finanzierte sich zu etwa 80 Prozent über den Verkauf – Werbung machte lediglich 2 bis 3 Prozent aus. Trotz dieser bescheidenen Anfänge wuchs ihr Einfluss rasant.
Schon Anfang der 1990er-Jahre verlegte die JF ihren Sitz von Freiburg nach Berlin – noch vor dem offiziellen Umzug der Regierung in die wiedervereinte Hauptstadt. Doch mit dem Wachstum kam auch Widerstand. 1993 demonstrierten rund 2.000 Menschen gegen die Zeitung. Später wurde ihre Druckerei angegriffen, und Autos von Mitarbeitern wurden in Brand gesteckt.
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachtete die Publikation kritisch. Manche Leser vermuteten sogar, sie würden allein wegen des Abonnements abgehört. Stein, der sich selbst als konservativ bezeichnet, setzt sich seit Langem für die nationale Verteidigung ein, einschließlich der Wehrpflicht, und nennt Familie, Glauben und Nation als seine Leitprinzipien.
Trotz aller Widerstände baute die JF eine engagierte Leserschaft auf und blieb ihrer politischen Linie treu – trotz öffentlicher und institutioneller Gegenwehr. Von der handverteilten Erstausgabe bis zur vom Verfassungsschutz beobachteten Zeitung blieb die Junge Freiheit eine polarisierende Kraft im deutschen Medienland. Ihr Geschäftsmodell, das auf Verkaufserlöse statt auf Werbung setzt, sicherte ihr Unabhängigkeit. Doch ihre Geschichte spiegelt sowohl die Leidenschaft ihrer Anhänger als auch die Schärfe ihrer Kritiker wider.
