10 May 2026, 20:16

Warum der Weimarer Flaggenstreit die Republik spaltete und Hindenburg scheiterte

Deutsche Flagge mit drei horizontalen Streifen in Schwarz, Rot und Gold, die einen schwarzen Doppeladler in der Mitte zeigt.

Warum der Weimarer Flaggenstreit die Republik spaltete und Hindenburg scheiterte

Der Flaggenstreit im Weimarer Deutschland entwickelte sich zu einem bitteren Symbol für die tiefen Spaltungen der Republik. Bis 1925 hatten sich die politischen Lager in zwei verfeindete Blöcke gespalten – die einen unterstützten die schwarz-rot-goldene Trikolore, die anderen setzten sich für die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot ein. Der Konflikt erreichte einen Wendepunkt, als Reichspräsident Paul von Hindenburg mit einem umstrittenen Erlass eingriff.

Die Wurzeln des Streits reichten bis zum Kompromiss der Nationalversammlung von 1919 zurück. Damals hatte man sich auf Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge geeinigt, erlaubte jedoch der Handelsflagge, die alten kaiserlichen Farben zu führen. Doch die Spannungen ebbten nie ab. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung verfestigt: in den „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und den „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“.

Anfang 1926 schlug Reichskanzler Hans Luther – eine parteilose Persönlichkeit – einen neuen Ansatz vor. Gestützt von der Deutschen Volkspartei (DVP) wollte er die kaiserlichen Farben wieder einführen, wohlwissend, dass dies Links- und Zentrumsparteien provozieren würde, die republikanische Flagge zu verteidigen. Am 5. Mai erließ Hindenburg die „Zweite Flaggenverordnung“. Sie verfügte, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalflagge als auch die Handelsflagge mit dem kaiserlichen Oberliek hissen sollten.

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Edwin Redslob, der Reichskunstwart, hatte bereits vergeblich versucht, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu entwerfen. Zu seinen Aufgaben gehörte die Klärung künstlerischer Fragen, darunter die Flaggenfrage, doch trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge fand sich kein Konsens. Vier Tage nach dem Erlass veröffentlichte Hindenburg einen offenen Brief. Darin forderte er eine verfassungsmäßige Lösung der Krise – doch der Konflikt blieb ungelöst.

Die Verordnung trug kaum zur Versöhnung bei. Diplomaten vertreten nun zwar beide Flaggen, doch der Streit blieb ein Zeichen für die Instabilität Weimars. Hindenburgs Eingreifen hatte die Gräben nur vertieft – zwischen denen, die der Republik die Treue hielten, und denen, die an den alten kaiserlichen Symbolen festhielten.

Quelle