Warum die AfD trotz gebrochener Versprechen weiterhin Anhänger gewinnt
Hagen SieringWarum die AfD trotz gebrochener Versprechen weiterhin Anhänger gewinnt
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum rechtsextreme Bewegungen wie die Alternative für Deutschland (AfD) weiterhin Zulauf erhalten. In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie das schwindende Vertrauen in die Demokratie ihren Aufstieg befeuert. Seine Erkenntnisse liefern frische Perspektiven auf die Herausforderungen, die der Rechtspopulismus heute stellt.
El-Mafaalanis Forschung konzentriert sich auf Gruppen, die er als "Gemeinschaften des Misstrauens" bezeichnet – Menschen, die sich von etablierten Institutionen abwenden. Sie misstrauen dem Staat, den Gerichten, der Wissenschaft und den Medien. Stattdessen setzen sie ihr Vertrauen in Gleichgesinnte, die ihre Skepsis teilen, und wenden sich oft Parteien wie der AfD zu.
Digitale Medien haben eine entscheidende Rolle dabei gespielt, diese misstrauischen Individuen zu vernetzen. Zum ersten Mal können sie sich online organisieren und in ihren Überzeugungen bestärken. Rechtsextreme Netzwerke bedienen sich zudem digitaler Subkulturen, nutzen KI-generierte Inhalte und popkulturelle Strategien, um ihren Einfluss auszuweiten.
Der Soziologe warnt, dass selbst dann, wenn die AfD ihre Versprechen nicht einhält, ihre Anhänger nicht plötzlich wieder Vertrauen in die Demokratie fassen werden. Einmal an der Macht, lasse sich die Partei nicht einfach als unwirksam "entzaubern" oder entlarven. Populistische Strategen, so seine These, arbeiteten gezielt daran, das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben.
Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins "FUTURZWEI", hat die Bedeutung von El-Mafaalanis Analysen hervorgehoben. Ein Verständnis dieser Dynamiken sei entscheidend, um wirksamere Antworten auf den Rechtspopulismus zu entwickeln, so sein Argument.
El-Mafaalanis Arbeit zeigt, dass die Bekämpfung der AfD und ähnlicher Bewegungen mehr erfordert als die Bloßstellung ihrer Versagen. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das tief verwurzelte Misstrauen zu adressieren, das ihre Anhänger verbindet. Seine Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit neuer Strategien zur Verteidigung demokratischer Werte.






