Wehrpflicht kehrt zurück: Warum junge Männer jetzt zum Fragebogen greifen müssen
Elfriede WielochWehrpflicht kehrt zurück: Warum junge Männer jetzt zum Fragebogen greifen müssen
Deutschland hat die militärische Erfassung für junge Männer wieder eingeführt, die 2008 oder später geboren wurden. Seit Januar müssen sie einen Fragebogen ausfüllen – andernfalls drohen ihnen mögliche Bußgelder. Die Maßnahme hat eine Debatte ausgelöst, wobei einige Politiker und Aktivisten scharfe Kritik üben.
Bis Anfang Mai hatten etwa ein Viertel der Registrierungspflichtigen den Fragebogen noch nicht ausgefüllt. Die Bundeswehr zählt derzeit knapp 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten und hat damit bereits das für 2026 im Wehrpflichtgesetz festgelegte Ziel erreicht. Bis 2035 soll diese Zahl auf mindestens 255.000 erhöht werden. Derzeit werden jedoch aufgrund begrenzter Kapazitäten nur Freiwillige aufgenommen.
Auf einem Festival gegen die Wehrpflicht fragte Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, wer von den Anwesenden freiwillig gekommen sei. Sie lobte die junge Menge und betonte, dass ihre Partei bei dieser Generation mehr Anklang finde als die Regierung. Reichinnek rief zum Widerstand auf und erklärte: „Nein zum Wehrdienst, nein zur Militarisierung und nein zu einer Regierung, die Entscheidungen gegen euch und ohne euch trifft!“
Daniel Lücking, Berater der Linken und ehemaliger Soldat, diente als Offizier in Afghanistan und war dort mit Propagandaaufgaben betraut. Heute bezeichnet er die Wehrpflicht als überholt und argumentiert, dass moderne Sabotageakte mit minimalem Aufwand weitaus größere Schäden anrichten könnten.
Die Erfassung läuft zwar an, doch die Umsetzung bleibt lückenhaft. Kritische Stimmen stellen die Politik weiterhin infrage, während die Bundeswehr ihre langfristigen Ausbaupläne verfolgt. Wer sich nicht fristgerecht registriert, muss mit Strafen rechnen.
