Wie die Fußballsprache kulturelle Geschichte und gesellschaftlichen Wandel erzählt
Elfriede WielochWie die Fußballsprache kulturelle Geschichte und gesellschaftlichen Wandel erzählt
Simon Meier-Vieracker, Professor für Angewandte Linguistik an der TU Dresden, hat in seinem jüngsten Werk die einzigartige Sprache des Fußballs erforscht. In seinem 2024 erschienenen Buch „Reingegrätscht: Eine kleine Linguistik des Fußballs“ untersucht er, wie die Terminologie des Sports kulturelle und historische Veränderungen widerspiegelt. Seine Forschung umfasst zudem übergreifende Themen wie Wissenschaftskommunikation und Sprachgebrauch in der Medizin.
Die Sprache des Fußballs hat sich parallel zur Entwicklung des Sports selbst gewandelt. Als das Spiel im 19. Jahrhundert aufkam, wurden zunächst englische Begriffe wie „goal“ verwendet. In Deutschland adaptierte der Braunschweiger Lehrer Konrad Koch Ende des 19. Jahrhunderts systematisch Fußballbegriffe ins Deutsche und führte Wörter wie „Angriff“ oder „Sturm“ ein – Begriffe mit militaristischem Klang.
Mit der Zeit verlor der militärische Einfluss an Bedeutung. Die moderne Fußballsprache bevorzugt heute technische Ausdrücke wie „Siegergen“ oder „Kontrollzentrum". Ein weiterer Trend ist die zunehmende Verwendung von Anglizismen, etwa „Box“ statt des traditionellen „Strafraum“.
Meier-Vierackers Arbeit beschränkt sich nicht auf Bücher. 2023 gewann sein Social-Media-Kanal „fussballinguist“ den „Goldenen Blogger“ in der Kategorie TikTok. Seine Forschung zeigt, wie die Fußballsprache gesellschaftliche Werte abbildet – mit regionalen und kulturellen Unterschieden, die Metaphern und Redewendungen prägen.
Die Erforschung der Fußballsprache bietet Einblicke in kulturellen und sprachlichen Wandel. Durch sein Buch und sein öffentliches Engagement lenkt Meier-Vieracker die Aufmerksamkeit auf dieses dynamische Feld. Seine Erkenntnisse belegen, wie sich der Wortschatz des Sports ständig anpasst und gesellschaftliche Entwicklungen spiegelt.
