Wim Wenders und "Die Sonne anschauen" prägen die Deutschen Filmpreise 2024
Hans D. FinkeWim Wenders und "Die Sonne anschauen" prägen die Deutschen Filmpreise 2024
Die Deutschen Filmpreise 2024 ehrten sowohl Nachwuchstalente als auch langjährige Karrieren. Mit 80 Jahren erhielt der legendäre Regisseur Wim Wenders einen Ehrenpreis, während „Die Sonne anschauen“ die wichtigsten Auszeichnungen des Abends gewann. Die Verleihung löste zudem Debatten über ethische Fragen im Filmemachen aus – insbesondere im Umgang mit vergangenen Kontroversen.
Wenders nutzte seine Dankesrede, um auf eine schwierige Phase seiner Laufbahn zurückzublicken. In „Falsche Bewegung“ (1975) drehte er eine Szene, in der Nastassja Kinski – damals erst 13 Jahre alt – mit freiem Oberkörper zu sehen war. Jahrzehnte später räumte er ein, dass er die Situation heute anders handhaben würde. Offene Fragen stellte der Regisseur auch dazu, ob Filme nach ihrer Veröffentlichung überarbeitet werden sollten, um problematische Inhalte zu bereinigen.
Kinski setzt sich seit Jahren für die Streichung der Szene ein, doch der Film blieb unverändert. Wenders forderte nun die Deutsche Filmakademie auf, eine Debatte darüber zu führen, wie mit solchem Erbe umgegangen werden soll.
Gleichzeitig feierte die Veranstaltung aktuelle Erfolge. „Die Sonne anschauen“ dominierte die Preisvergabe und gewann die Goldene Lola als bester Spielfilm. Lena Urzendowsky, ausgezeichnet als beste Nebendarstellerin, rief zu mehr Empathie in der Gesellschaft und einem Ende von Gewalt und Grenzüberschreitungen auf. Produzent Ingo Fliess betonte unterdessen die kreative Freiheit in Deutschland und beschrieb das Land als einen Ort, an dem Künstler ohne Angst arbeiten können.
Die Verleihung spiegelte sowohl Fortschritte als auch ungelöste Fragen des deutschen Films wider. Wenders’ Worte lenkten den Fokus darauf, wie die Branche mit vergangenen Fehlern umgeht. Gleichzeitig setzten der Erfolg von „Die Sonne anschauen“ und Urzendowskys Appell für Respekt einen Ton für das künftige Erzählen im Kino.
