16 January 2026, 11:55

300 Jahre altes Tölzer Zauberbuch enthüllt dramatische Flucht aus Hexenprozessen

Ein aufgeschlagenes Buch mit schwarzem Hintergrund, das eine Seite aus einem 16. Jahrhundert deutschen Manuskript zeigt, das Text und eine Zahl enthält.

300 Jahre altes Tölzer Zauberbuch enthüllt dramatische Flucht aus Hexenprozessen

Ein 300 Jahre altes Zauberbuch taucht dank neuer Forschung wieder in der bayerischen Geschichte auf. Dr. Christoph Bachmann, Direktor des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München, hat kürzlich dessen ungewöhnliche Verbindung zu einer kühnen Flucht aufgedeckt. Das sogenannte Tölzer Zauberbuch wurde einst in einem verzweifelten Versuch eingesetzt, um 1704 während der Hexenprozesse der Gefangennahme zu entgehen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Georg Reich, ein Mann aus Lenggries, der 1704 mit einer Verhaftung konfrontiert war. Historischen Überlieferungen zufolge trug er ein kleines Buch mit Zaubersprüchen und Beschwörungsformeln aus Bad Tölz bei sich. Reich soll versucht haben, dessen magische Kräfte zu nutzen, um sich auf dem Höhepunkt der bayerischen Hexenverfolgungen aus der Haft zu befreien.

Der 62-jährige Historiker Bachmann, der aus der Region Chiemgau stammt, beschäftigt sich seit langem mit ungewöhnlichen Rechtsfällen. Seine jüngste Arbeit untersucht, wie das Tölzer Zauberbuch in Reichs gescheiterten Fluchtversuch verstrickt war. Darüber hinaus hat Bachmann umfangreich über die NS-Zeit, Agrargeschichte und historische Rechtsdokumente publiziert. Das von ihm geleitete Bayerische Hauptstaatsarchiv bewahrt über 55 Kilometer Aktenmaterial auf – ein Großteil davon wird derzeit digitalisiert, um die öffentliche Zugänglichkeit zu verbessern. Die Sammlung umfasst seltene Handschriften, Gerichtsakten und historische Kuriositäten – darunter auch das Zauberbuch selbst.

Bachmanns Forschung wirft ein Licht auf ein wenig bekanntes Kapitel der bayerischen Geschichte. Das Tölzer Zauberbuch bleibt ein rätselhaftes Relikt aus einer Zeit, in der Magie und Recht mitunter aufeinandertrafen. Seine Erkenntnisse unterstreichen zudem die Rolle der Archive, solche ungewöhnlichen Geschichten zu bewahren – und wieder ans Tageslicht zu bringen.