Berliner Gericht verurteilt Betrüger im Millionen-Krankenkassenskandal zu Bewährung
Margot RudolphBerliner Gericht verurteilt Betrüger im Millionen-Krankenkassenskandal zu Bewährung
Ein Berliner Gericht hat zwei Männer, die in einen Bestechungs- und Betrugsfall im Zusammenhang mit der gesetzlichen Krankenversicherung der Stadt verwickelt waren, zu Bewährungsstrafen verurteilt. Im Mittelpunkt des Verfahrens standen manipulierte Patientenakten und die Veruntreuung von Millionenbeträgen aus öffentlichen Mitteln. Beide Angeklagten gestanden, Daten verändert zu haben, um höhere Zahlungen von der Krankenkasse zu erschleichen.
Das System begann vor mehr als einem Jahrzehnt: Die beiden Männer trafen illegale Absprachen, um die Zuweisungen künstlich aufzublähen. Der 62-jährige ehemalige Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV Berlin) sah darin eine Möglichkeit, die Finanzen des Verbandes aufzubessern und gleichzeitig der Krankenkasse unter die Arme zu greifen. Der 46-jährige Versicherungsmitarbeiter hingegen betrachtete die Machenschaften als Karrierechance und gab – wie er später angab – "Anreizen und Druck" nach.
Die Ermittler stellten fest, dass das Duo medizinische Diagnosecodes im Nachhinein änderte, ohne die behandelnden Ärzte zu konsultieren. Der ehemalige KV-Vorstand soll von seinem Mittäter Datenträger erhalten haben, die Manipulationen gebilligt und so der Krankenkasse ermöglicht haben, überhöhte Erstattungen zu kassieren. Ursprünglich ging es um rund 85 Millionen Euro, die zu Unrecht ausgezahlt worden waren – Vorwürfe aus dem Jahr 2014 konnten jedoch nicht bewiesen werden.
Das Gericht verurteilte den früheren KV-Vorstand zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe. Sein Mittäter, der Versicherungsangestellte, musste ein Bußgeld von 15.000 Euro wegen Bestechung zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte deutlich schärfere Strafen gefordert, darunter Bewährungsstrafen von bis zu einem Jahr und neun Monaten sowie eine Einziehung von 250.000 Euro von der KV Berlin. Die Richter entschieden sich jedoch für mildere Sanktionen.
Das Urteil setzt einen Schlussstrich unter einen langjährigen Fall von Krankenkassenbetrug durch manipulierte Abrechnungsdaten. Sowohl der ehemalige KV-Vorstand als auch der Versicherungsmitarbeiter mussten für ihre Rolle in dem System geradestehen. Die Entscheidung des Gerichts unterstreicht zwar die Schwere des Betrugs, bleibt mit den verhängten Strafen aber hinter den Forderungen der Anklage zurück.






