06 January 2026, 08:54

Bremen feiert 200 Jahre Eiswetten-Fest: Warum der Schneider nie gewinnt

Ein schwarzes Tablett auf einem Zug mit einer Schüssel Suppe, einem Teller mit Lebensmitteln und einem unbekannten Gegenstand.

Wette auf Kohl - Ist die Weser zugefroren? - Bremen feiert 200 Jahre Eiswetten-Fest: Warum der Schneider nie gewinnt

Jeden Januar findet in Bremen eine skurrile Tradition statt: das Eiswetten-Fest. Seit fast 200 Jahren versammeln sich Einheimische, um zu sehen, ob die Weser so weit zugefroren ist, dass ein Schneider sie zu Fuß überqueren kann. Das Ereignis, das auf eine historische Wette zurückgeht, lockt heute jährlich rund 800 Gäste an.

Alles begann im Jahr 1829, als 18 Bremer Kaufleute wetterten, ob die Weser bis Anfang Januar zufrieren würde. Ihre Herausforderung bestand darin, dass ein Schauspieler in der Rolle eines Schneiders den Fluss mit einem glühenden Bügeleisen in der Hand überqueren musste. Hielt das Eis, gewann der Schneider ein gemeinsames Mahl aus Grünkohl und Wurst. Doch der Fluss spielte selten mit.

Seither wird die Wette fast jedes Jahr wiederholt – mit stets demselben Ergebnis: „De Werser geiht!“ („Die Weser fließt!“). Statt zu laufen, lässt sich der Schneider von Seenotrettern per Boot ans andere Ufer bringen. Die Tradition unterstützt sogar einen guten Zweck, denn Spenden werden für den Rettungsdienst gesammelt.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Fest zu einem kulturellen Höhepunkt entwickelt. Der heute bekannte Schauspieler Rolf Becker spielte den Schneider einst zu Beginn seiner Karriere am Theater Bremen. Das Fest selbst findet am dritten Samstag im Januar statt und verbindet Geschichte, Humor und Gemeinschaftsgeist.

Die Eiswette bleibt eine beliebte Bremer Tradition, die alte Bräuche mit moderner Wohltätigkeit verbindet. Zwar gewinnt der Schneider nie – doch das Ereignis hält den Geist der ursprünglichen Wette von 1829 lebendig. Jahr für Jahr sorgt die Versammlung dafür, dass die Geschichte – und das unberechenbare Weser-Eis – Teil des lokalen Lebens bleiben.