EMAF-Festival zeigt umstrittenen Film palästinensischer Künstlerin trotz politischer Kritik
Margot RudolphEMAF-Festival zeigt umstrittenen Film palästinensischer Künstlerin trotz politischer Kritik
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Samah Al-Sharif für Aufsehen gesorgt. Ihr Werk "Morning Circle" wird im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung gezeigt, die sich mit den Themen künstlerische Freiheit und Verantwortung auseinandersetzt. Doch die Entscheidung hat zu öffentlicher Kritik geführt – sowohl die Stadtverantwortlichen als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) distanzieren sich mittlerweile vom Festival.
Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen Al-Sharifs politische Positionen, insbesondere ihre mutmaßliche Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) sowie frühere Aktivitäten in sozialen Medien. Kritiker werfen ihr Antisemitismus vor, während die Festivalleitung betont, ihre Beiträge – darunter ein Halloween-Foto mit einem roten Dreieck – seien mehrdeutig. Die BDS-Bewegung, 2005 ins Leben gerufen, fordert wirtschaftliche und kulturelle Boykotte gegen Israel wegen Themen wie Besatzung und Flüchtlingsrechte. Obwohl sie sich als gewaltfreien Widerstand präsentiert, unterliegt sie in mehreren Ländern rechtlichen Einschränkungen, etwa durch Anti-BDS-Gesetze in Teilen der USA oder Symboldarstellungen in Österreich.
Ministerpräsident Lies zog seine Schirmherrschaft über das Festival zurück, die staatliche Förderung bleibt jedoch bestehen. Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann erklärte, er hätte Al-Sharifs Film lieber ausgeschlossen, um "keine Plattform für antisemitische Haltungen" zu bieten. Dagegen warnt Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, davor, palästinensische Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung zum Schweigen zu bringen – dies gefährde notwendige Debatten.
Das EMAF hat eine lange Tradition, vielfältige Perspektiven zu präsentieren, darunter Kooperationen mit palästinensischen Künstler:innen sowie Programme mit jüdischen und israelischen Beitragenden. Das diesjährige Motto "An Incomplete Assembly" thematisiert bewusst die Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck und gesellschaftlicher Verantwortung.
Trotz des Rückzugs offizieller Unterstützung wird Al-Sharifs Film wie geplant gezeigt. Die Entscheidung des Festivals spiegelt die anhaltende Diskussion wider, wo künstlerische Freiheit endet und politische Verantwortung beginnt. Fürs Erste steuert das EMAF durch die Turbulenzen – und bleibt seinem Anspruch treu, einer breiten Palette von Stimmen Raum zu geben.






