24 December 2025, 04:40

Fern von der Staatsregierung: Ist der MDR-Rundfunkrat illegal besetzt?

Zwei Polizisten stehen vor einem Rednerpult, einer hält Papiere und spricht in ein Mikrofon, mit einer Fahne, einem Tisch und einer Tafel mit Symbolen und Text im Hintergrund.

Fern von der Staatsregierung: Ist der MDR-Rundfunkrat illegal besetzt?

Die Mitgliedschaft von SPD-Wirtschaftsminister Dirk Panter im Rundfunkrat des MDR steht auf dem juristischen Prüfstand. Kritiker argumentieren, sein Amt als Landesminister stehe im Widerspruch zum MDR-Staatsvertrag, der Regierungsmitgliedern die Zugehörigkeit zum Rundfunkrat untersagt. Die Angelegenheit wirft nun Fragen zu ähnlichen Fällen in anderen Bundesländern auf, darunter Thüringen.

Panter war ursprünglich als Mitglied des Sächsischen Landtages in den MDR-Rundfunkrat berufen worden. Doch seine spätere Ernennung zum Landesminister im Dezember 2024 brachte ihn in Konflikt mit den Bestimmungen des Staatsvertrags. Dieser schließt Regierungsmitglieder – mit Ausnahme eines benannten Vertreters – explizit von Sitzen im Rundfunkrat oder Verwaltungsrat aus.

Maren Müller, Vorsitzende der Ständigen Publizistischen Konferenz der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, erklärte, Panters anhaltende Mitgliedschaft sei voraussichtlich rechtswidrig. Der Verband hat die Staatskanzlei offiziell aufgefordert, den Fall zu prüfen und gegebenenfalls sein Mandat mit Wirkung vom 19. Dezember 2024 an für nichtig zu erklären. Rechtsexperten warnen, dass alle seit diesem Datum gefassten Beschlüsse des Gremiums nun anfällig für gerichtliche Anfechtungen sein könnten.

Ein ähnliches Problem könnte sich in Thüringen abzeichnen, wo sowohl der CDU-Landesvorsitzende Mario Voigt als auch Sina Reeder dem MDR-Rundfunkrat angehören. Voigt sah sich Mitte Dezember 2024 mit Rücktrittsforderungen konfrontiert, nachdem seine Partei ein umstrittenes Koalitionsabkommen mit der BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) geschlossen hatte. Kritiker monieren, seine Doppelfunktion als Parteichef und Ratsmitglied gefährde die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Die rechtlichen Unsicherheiten um Panters Position könnten zu weiteren Überprüfungen der Rundfunkratszusammensetzungen in anderen Bundesländern führen. Sollte die Staatskanzlei den Verstoß bestätigen, müssten möglicherweise alle seit dem 19. Dezember 2024 gefassten Beschlüsse des MDR-Rundfunkrats neu bewertet werden. Der Fall unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen politischen Personalentscheidungen und den rechtlichen Grenzen der Rundfunkaufsicht.