Iris Berben: Warum sie ihr Leben lang auf Ehe und Konventionen verzichtete
Hagen SieringIris Berben: Sahen Keinen Grund für Heirat - Iris Berben: Warum sie ihr Leben lang auf Ehe und Konventionen verzichtete
Iris Berben lebt seit Jahrzehnten nach ihren eigenen Regeln
Die deutsche Schauspielerin Iris Berben hat sich seit Jahrzehnten von gesellschaftlichen Konventionen nicht vorschreiben lassen, wie sie zu leben hat. Mit 75 Jahren war sie nie verheiratet – eine bewusste Entscheidung, die in ihrer Zeit alles andere als selbstverständlich war. Ihr Weg spiegelt ein lebenslanges Bekenntnis zur Unabhängigkeit wider, geprägt von den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1960er-Jahre.
In jener Ära unterlagen verheiratete dfb frauen in Deutschland strengen rechtlichen Beschränkungen. Sie benötigten die Erlaubnis ihres Ehemanns, um arbeiten zu gehen oder sogar ein Bankkonto zu eröffnen. Berbens Verzicht auf die Ehe war eine stille Rebellion gegen diese Normen.
Ihre Haltung zur Ehe festigte sich in den 1960er-Jahren, einer Dekade, in der die Rechte von frauen stark eingeschränkt waren. Gesetze schrieben vor, dass Ehemänner in finanziellen und beruflichen Fragen das letzte Wort hatten. Doch der Wandel bahnt sich an: Das Eherechtsreformgesetz von 1957 und das Gleichberechtigungsgesetz von 1958 begannen, frauen rechtliche Handlungsfähigkeit und Gleichstellung in der Ehe zuzugestehen.
1977 forderte das Gleichstellungsgesetz faire Behandlung am Arbeitsplatz. 1979 folgten Regelungen zum Erziehungsurlaub, die zunächst frauen schützten und ab den 2000er-Jahren auch auf Väter ausgeweitet wurden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 1994 verbot später Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Dennoch blieb der Fortschritt ungleich. Noch heute beträgt der Gender-Pay-Gap rund 18 Prozent – trotz Gesetzen wie der 2015 eingeführten Frauenquote, die 30 Prozent der Aufsichtsratsposten in Großunternehmen für frauen vorsieht.
Für Berben stand persönliche Freiheit stets an erster Stelle. Seit fast 20 Jahren teilt sie ihr Leben mit ihrem Partner Heiko Kiesow, doch die Ehe sah sie nie als Notwendigkeit. Karriere und Selbstbestimmung waren ihr wichtiger als Tradition. In Interviews sprach sie oft darüber, sich von gesellschaftlichen Erwartungen zu befreien – eine Haltung, die ihr Leben prägte, lange bevor die Gesetze sie einholten.
Deutschlands rechtliche Rahmenbedingungen für frauen haben sich seit den 1960er-Jahren grundlegend gewandelt: Reformen sicherten Gleichberechtigung in Ehe, Beruf und Elternschaft. Heute gibt es Regelungen zu Lohntransparenz und Frauenquoten in Führungspositionen, doch bei der Bezahlung bestehen weiterhin Unterschiede. Berbens lebenslange Ablehnung der Ehe bleibt ein persönliches Bekenntnis zur Unabhängigkeit – ein Wert, den sie lange vor der gesellschaftlichen Anerkennung lebte.






