Kai Wegners Tennis-Session während des Stromausfalls löst Empörung in Berlin aus
Margot RudolphUrlaub, Lachen, Tennisspiel - Politische Patzer und ihre Folgen - Kai Wegners Tennis-Session während des Stromausfalls löst Empörung in Berlin aus
Deutsche Politiker sehen sich immer wieder mit heftiger Kritik konfrontiert, wenn ihr Verhalten in Krisenzeiten als unsensibel wahrgenommen wird. Aktuell steht Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner in der Schusslinie, nachdem er während eines Stromausfalls in Teilen der Stadt Tennis gespielt hatte. Dies reiht sich ein in eine Serie von Rücktritten und öffentlichen Empörungswellen über das Verhalten von Amtsträgern in Notlagen.
Ende 2025 erlebte der Südwesten Berlins nach einem mutmaßlichen Brandanschlag einen langanhaltenden Stromausfall. Während die Bevölkerung mit den Folgen kämpfte, verbrachte Wegner eine Stunde auf dem Tennisplatz. Auf Nachfrage erwähnte er das Match später mit keinem Wort – was die Vorwürfe der Gleichgültigkeit weiter anheizte.
Solche Vorfälle haben in Deutschland bereits eine unrühmliche Tradition. 2002 ließ sich Verteidigungsminister Rudolf Scharping während der Debatte über den Truppeneinsatz in Mazedonien am Pool auf Mallorca fotografieren. Der Vorfall beschädigte seinen Ruf nachhaltig und führte schließlich zu seiner Entlassung.
Auch Armin Laschets Besuch in einem Hochwassergebiet 2021 löste eine Welle der Empörung aus. Während Bundespräsident Steinmeier in einer live übertragenen Ansprache ernste Worte fand, war Laschet im Hintergrund lachend zu sehen. Zwei Monate später erlitt seine Partei eine herbe Wahlniederlage.
Ähnliche Konsequenzen erlebte Anne Spiegel: Nur zehn Tage nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal 2022 trat sie einen vierwöchigen Familienurlaub in Frankreich an. Der öffentliche Druck führte im April desselben Jahres zu ihrem Rücktritt als Familienministerin.
Christine Lambrechts Amtszeit als Verteidigungsministerin endete im Januar 2023 nach monatelanger Kritik. Besonders ein Foto, das ihren Sohn in einem Militärhubschrauber an ihrer Seite zeigte, wurde als fragwürdige Entscheidung angeprangert.
In Berlin ist der Strom zwar längst wieder fließt, doch für Wegner bleibt die Affäre ein politisches Problem. Die Vergangenheit zeigt: Wenn das Krisenmanagement von Führungspersonen als realitätsfremd wahrgenommen wird, folgen oft Rücktritte oder Wahlniederlagen. Die Gesellschaft duldet offenbar kaum noch, wenn Verantwortungsträger in Ausnahmesituationen den Bezug zur Bevölkerung verlieren.