21 March 2026, 14:19

Kratzers provokante Opern-Premiere in Hamburg spaltet das Publikum bis auf die Knochen

Ein aufgeschlagenes Buch mit einer Zeichnung von verzweifelten Menschen, betitelt "Die Tragödie" unten.

Kratzers provokante Opern-Premiere in Hamburg spaltet das Publikum bis auf die Knochen

Tobias Kratzers erste Inszenierung als neuer Intendant der Hamburger Staatsoper sorgt für heftige Reaktionen. Mit seiner modernen Interpretation von Das Paradies und die Peri verbindet der Regisseur mutige Bühnenbilder mit scharfer Gesellschaftskritik. Die Premiere spaltete das Publikum – während einige begeistert applaudierten, verließ ein Zuschauer unter Buhrufen vorzeitig den Saal.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Von Beginn an brach die Aufführung mit Konventionen. Kratzer ließ die Darsteller ins Publikum gehen und durchbrach so die vierte Wand. Kameras fuhren durch den Zuschauerraum und fügten der Handlung eine Ebene live kommentierter Realität hinzu. In einer Szene kletterte Peri – gespielt von Vera-Lotte Boecker – über die Sitzreihen und setzte sich neben einen weinenden Mann, um ihn direkt in das Geschehen einzubinden.

Die Produktion zog drastische Parallelen zur heutigen Zeit. Ein weißer Anführer hetzt von der Straße aus die Menschen in einen Krieg – eine klare Anspielung auf aktuelle Konflikte. Als sich ein schwarzer Mann ihm widersetzt, wird er auf offener Bühne ermordet, sein Blut spritzt auf Peris weißes Kleid. Eine andere Szene zeigte Pestkranke, die in Quarantäne sterben, und erinnerte damit an die Isolation während der Pandemie.

Trotz der Kontroversen endete der Abend mit jubelndem Applaus. Kratzers Vision für das Opernhaus geht über diese Premiere hinaus: Er kündigte ehrgeizige Pläne an, darunter neue Musiktheaterabende sowie Produktionen wie Monster's Paradise und Frauenliebe und -leben.

Die Uraufführung unterstrich Kratzers Bereitschaft, Grenzen auszuloten. Seine Inszenierung zwang das Publikum, sich mit unangenehmen Wahrheiten auseinanderzusetzen – eine Mischung aus Oper und schonungsloser Gesellschaftsanalyse. Auch wenn die Reaktionen gespalten waren, setzte der mutige Ansatz der Produktion einen deutlichen Akzent für seine Amtszeit an der Hamburger Staatsoper.

Quelle