Kretschmanns bewegender Abschied nach 40 Jahren im Landtag Baden-Württembergs
Elfriede WielochNach 46 Jahren: Kretschmann hält seine letzte Rede im Landtag - Kretschmanns bewegender Abschied nach 40 Jahren im Landtag Baden-Württembergs
Winfried Kretschmann, der dienstälteste Ministerpräsident in der Geschichte Baden-Württembergs, hat nach Jahrzehnten in der Politik seine letzte Rede im Landtag gehalten. Der 77-Jährige erhielt stehende Ovationen und lang anhaltenden Applaus, als er auf seine Karriere zurückblickte und seine Amtszeit als "eine große Ehre" und "die Hälfte meines Lebens" bezeichnete.
Kretschmann zog 1980 erstmals in den Landtag ein und ist seit 1996 durchgehend Mitglied. Seine Amtszeit als Ministerpräsident begann 2011 und markiert damit eine Rekorddauer für die Region. In seiner Abschiedsrede betonte er die Bedeutung des Landtags als zentralen Ort der öffentlichen Debatte und rief die Bürger auf, sich intensiver mit dessen Arbeit auseinanderzusetzen.
Der erfahrene Politiker äußerte auch Bedenken hinsichtlich der schwindenden Einflussmöglichkeiten des Landtags. Er warnte, dass Föderalismus und die Zentralisierungstendenzen der EU dessen Bedeutung immer wieder infrage stellten – obwohl das Gremium weiterhin die volle Kontrolle über Landesgesetze, Haushalte und die Regierungsaufsicht behält. Zwar hat sich die Rolle des Bundesrats in der nationalen Gesetzgebung ausgebaut, doch dies hat die Befugnisse des Landtags nicht direkt geschmälert, die in den letzten Jahrzehnten unverändert geblieben sind.
Kretschmanns Abschied fällt nach einer mehr als vierzigjährigen Karriere. In seiner letzten Rede bekundete er sowohl Dankbarkeit für die Möglichkeit, dienen zu dürfen, als auch sein anhaltendes Engagement für die Verteidigung der Rolle des Landtags in einem sich wandelnden politischen Umfeld.
Die Kompetenzen des Landtags in den Bereichen Landesregierung, Gesetzgebung und Haushalt bleiben trotz der größeren Verschiebungen in der Bundes- und EU-Entscheidungsfindung unangetastet. Kretschmanns Ausscheiden hinterlässt ein Erbe der Führung, lenkt aber auch den Blick auf die Herausforderungen, vor denen regionale Parlamente in einem zunehmend zentralisierten System stehen.






