20 January 2026, 14:46

Kretschmer und Sulyok gedenken der Vertreibung Ungarndeutscher nach 1945

Plakat für einen Wohltätigkeitsbasar zugunsten von Witwen und Waisen deutscher, australischer, ungarischer und alliierter Soldaten mit Textangaben zur Veranstaltung.

Kretschmer: Geschichte der ungarndeutschen 'am Leben erhalten' - Kretschmer und Sulyok gedenken der Vertreibung Ungarndeutscher nach 1945

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Ungarns Staatspräsident Tamás Sulyok haben gemeinsam an die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Die beiden Politiker gedachten am 19. Januar, dem nationalen Gedenktag in Ungarn, der Opfer. Sie legten einen Kranz an einer Gedenktafel an den "Grauen Kasernen" in Pirna nieder, einem Ort, der einst zur Registrierung vertriebener Familien diente.

Am 19. Januar 1946 traf der erste Transport mit vertriebenen Deutschen aus Ungarn in Bayern ein. In den folgenden Monaten nahm allein Sachsen rund 50.000 deutschsprachige Ungarndeutsche in 33 Zugtransporten auf. Viele von ihnen wurden im Aufnahmelager Pirna erfasst, das heute als Kultur- und Kunststätte genutzt wird.

Deutschsprachige Gemeinschaften lebten seit dem 12. Jahrhundert in Ungarn. 1910 stellten die Ungarndeutschen mit über zwei Millionen Menschen 9,8 Prozent der Bevölkerung. Staatspräsident Sulyok bezeichnete ihre Vertreibung als ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und würdigte ihren bleibenden Beitrag zur ungarischen Kultur. Kretschmer betonte, dass die DDR diese Geschichte nie offen thematisiert habe, was tiefe emotionale Wunden hinterließ. Das Schweigen prägte nicht nur die Überlebenden, sondern auch nachfolgende Generationen und beeinflusste die Familiengeschichten über Jahrzehnte.

Die Gedenkveranstaltung erinnerte an ein schmerzhaftes Kapitel der europäischen Geschichte. Das ehemalige Aufnahmelager in Pirna dient heute als kultureller Begegnungsort, während die Kranzniederlegung der Vertriebenen gedenkt. Ungarn begeht den 19. Januar weiterhin als Tag der Besinnung auf die Vertreibung.