Mainzer Dreigroschenoper glänzt in U-Bahn-Kulisse mit scharfem Witz und Brechts Gesellschaftskritik
Hagen SieringMainzer Dreigroschenoper glänzt in U-Bahn-Kulisse mit scharfem Witz und Brechts Gesellschaftskritik
Das Staatstheater Mainz hat Die Dreigroschenoper, eines der berühmtesten Stücke des 20. Jahrhunderts, wiederaufgeführt. Unter der Regie von Jan Neumann wird der Klassiker in ein neuartiges Setting versetzt: eine U-Bahn-Station. Die Inszenierung verbindet Brechts scharfe Kapitalismuskritik mit spielerischem Humor und eindrucksvollen visuellen Effekten.
Im Mittelpunkt steht Mackie Messer, ein berüchtigter Verbrecher, verkörpert von Henner Momann, der sich durch Londons Unterwelt schlägt. Seine Verbindungen zu Polizeichef Tiger Brown erschweren die Dinge, während seine Ehe mit Polly – der Tochter des Bettlerkönigs Jonathan Peachum – für Konflikte sorgt. Holger Kraft spielt Peachum, der ein skrupelloses Bettlersyndikat leitet und die Verbindung vehement ablehnt.
Besonders herausragend ist Anika Baumann, die mit einer dynamischen Darstellung glänzt: Sie wechselt blitzschnell die Rollen, meistert rasante Kostümwechsel und überzeugt mit messerscharfem komischem Timing. Der Ton des Stücks oszilliert zwischen Satire und selbstreflexivem Spiel – die Schauspieler brechen immer wieder die vierte Wand, während sich absurde Handlungsstränge entfalten. Eine Bettlerin mit Sopranstimme trägt sogar Die Moritat von Mackie Messer vor und verstärkt so den surrealen Charme der Inszenierung.
Die Interpretation des Mainzer Ensembles unterhält nicht nur, sondern regt auch zum Nachdenken an. Lieder wie Die Seeräuber-Jenny bleiben ikonisch, während Bühnenbild und Regie viel Lob ernten. Die Tickets für die verbleibenden vier Vorstellungen im Jahr 2025 kosten zwischen 17,50 und 45,50 Euro – inklusive eines Getränkeguthabens. Ein zusätzlicher Termin ist bereits für den 2. April 2026 geplant.
Diese Version der Dreigroschenoper balanciert gekonnt zwischen Witz, Gesellschaftskritik und spektakulärer Inszenierung. Das Publikum darf sich auf ein visuell opulentes Stück mit einem herausragenden Ensemble und cleveren Abwandlungen von Brechts Original freuen. Die Produktion läuft noch bis 2025, mit einer weiteren Vorstellung im nächsten Jahr.






