"Merz kann mich mal!" – Studentische Parole spaltet Campus und Justiz
Hagen Siering"Merz kann mich mal!" – Studentische Parole spaltet Campus und Justiz
Eine von Studierenden geführte Gruppe an der Technischen Universität Berlin hat für Aufsehen gesorgt, nachdem sie ein Transparent mit einer derben Parole gegen den Politiker Friedrich Merz aufgehängt hatte. Der Vorfall führte zu Ermittlungen der Polizei und wirft Fragen zur Meinungsfreiheit auf dem Campus auf.
Das Transparent mit der Aufschrift "Merz kann mich mal!" wurde von EB 104 angebracht, einem Kollektiv, das für die Organisation von Lernräumen und studentischen Veranstaltungen bekannt ist. Die Behörden entfernten es innerhalb von 15 Stunden, doch die Parole verbreitete sich seitdem rasant in sozialen Netzwerken und bei Protesten.
Der Spruch tauchte erstmals Anfang März bei einer Demonstration gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Berlin auf. Ein 18-jähriger Schüler, der die Parole geprägt haben soll und derzeit ein Praktikum absolviert, sieht sich nun wegen des Verdachts auf üble Nachrede und Beleidigung mit einem Strafverfahren konfrontiert.
Nach deutschem Recht zählt üble Nachrede zur Verbreitung unwahrer Behauptungen, die das Ansehen einer Person schädigen. Bisher gibt es jedoch keine öffentliche Stellungnahme von Merz oder seinen Vertretern zu der Parole.
EB 104 kritisierte die schnelle Entfernung des Transparents als "höchst problematisch" und warnte, dies könnte die studentische Selbstverwaltung und die freie Meinungsäußerung untergraben. Die Bedenken der Gruppe fallen in eine Zeit, in der viele die juristischen Schritte als überzogene Reaktion auf politische Satire wahrnehmen.
Seit der Demonstration verbreitete sich der Spruch viral – in Memes, Liedern und bei weiteren Kundgebungen. Seine Popularität verdeutlicht die Spannung zwischen rechtlichen Grenzen und öffentlichem Protest in der aktuellen politischen Landschaft Deutschlands.
Nun liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft, die entscheiden muss, ob die Parole als Beleidigung gewertet wird. Unterdessen hält die Debatte über Meinungsfreiheit und studentisches Engagement auf dem Campus an.
Der Vorfall hat den Spruch bereits in der jüngeren Protestkultur verankert – sein Einfluss reicht weit über die kurze Präsenz des ursprünglichen Transparents hinaus.






