Mythos „27er-Club“: Warum berühmte Musiker früher sterben – trotz Reichtum und Medizin
Hagen SieringMythos „27er-Club“: Warum berühmte Musiker früher sterben – trotz Reichtum und Medizin
Die Idee des '27er-Clubs' – einer Gruppe berühmter Musiker, Künstler und Schauspieler, die mit oder um das 27. Lebensjahr starben – fasziniert die Öffentlichkeit seit langem. Doch Forschungen deuten darauf hin, dass dieses Phänomen eher Mythos als Realität ist. Studien zeigen zudem, dass Ruhm selbst die Lebenserwartung verkürzen kann – trotz der Vorteile von Wohlstand und besserer medizinischer Versorgung.
Zu den bekanntesten Mitgliedern des '27er-Clubs' zählen Persönlichkeiten wie Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse. Auch außerhalb des westlichen Kulturraums werden Stars wie die russischen Musiker Viktor Zoi und Alexander Baschlatschew oft mit dieser Gruppe in Verbindung gebracht. Eine Studie aus dem Jahr 2011, veröffentlicht im 'British Medical Journal', widerlegte jedoch die Annahme, dass frühe Todesfälle gehäuft um ein bestimmtes Alter wie 27 oder 37 auftreten.
Eine separate Untersuchung der Universität Witten/Herdecke verglich 324 Spitzenmusiker mit 324 weniger bekannten Kollegen. Die Ergebnisse zeigten, dass berühmte Musiker im Durchschnitt 4,6 Jahre kürzer leben als ihre weniger prominenten Pendants. Während die durchschnittliche Lebenserwartung bekannter Künstler bei 75,19 Jahren lag, erreichten weniger bekannte Musiker 79,75 Jahre. Ruhm scheint Risiken mit sich zu bringen, die die Vorteile eines hohen sozioökonomischen Status überwiegen. Trotz besserer Ernährung, Lebensbedingungen und fortschrittlicher Medizin steigt die Sterblichkeit bei berühmten Persönlichkeiten um 33 Prozent im Vergleich zu denen, die nie Berühmtheit erlangten.
Der '27er-Club' bleibt zwar ein kulturelles Gesprächsthema, doch gibt es keine belastbaren Belege für einen Zusammenhang zwischen dem 27. Lebensjahr und frühen Todesfällen unter Stars. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass Ruhm selbst die Lebensspanne verkürzt – selbst bei denen, die über finanzielle und medizinische Privilegien verfügen. Die Forschung offenbart einen drastischen Trade-off zwischen Prominenz und Lebensdauer.