Neues Online-Portal enthüllt Strategien der rechten Szene seit 1945
Elfriede WielochNeues Online-Portal enthüllt Strategien der rechten Szene seit 1945
Ein neues Online-Portal bietet ab sofort freien Zugang zu historischen Quellen über rechtsextreme Strömungen in Deutschland. Der Zeitraum von 1945 bis 2000 wird durch das Projekt abgedeckt, das annotierte Dokumente für Forscher:innen, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit bereitstellt. Zwei führende Institute – das Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (MMZ) – leiten die Initiative.
Das unter radikale-rechte.de abrufbare Portal enthält Propagandatexte, gewaltverherrlichende Aufrufe sowie Materialien, die gezielt an junge Menschen gerichtet sind. Über 30 Expert:innen haben diese Dokumente analysiert und in ihren historischen Kontext eingeordnet, um die Wandlungen rechtsextremer Strategien im Laufe der Zeit aufzuzeigen.
Zwischen 1945 und den 1980er-Jahren blieb die rechtsextreme Anwerbung weitgehend im Untergrund und konzentrierte sich auf Intellektuelle und ehemalige NS-Sympathisant:innen. In den 1980er- und 1990er-Jahren wandte sich die Bewegung dann Skinhead-Subkulturen und nationalistischen Jugendgruppen zu, um eine breitere Mobilisierung zu erreichen. Nach dem Jahr 2000 verlagerten sich die Taktiken erneut – diesmal hin zu digitalen Plattformen, algorithmischer Zielgruppenansprache und einer mainstreamtauglichen Rhetorik. Moderne rechtsextreme Gruppierungen wie die AfD oder identitäre Bewegungen richten sich heute vor allem an wirtschaftlich verunsicherte Arbeitnehmer:innen, junge Social-Media-Nutzer:innen und Verschwörungsmythen-Netzwerke statt an traditionelle Hierarchien.
Herausgegeben wird das Projekt von Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des ZZF, und Prof. Dr. Gideon Botsch vom MMZ. Ihr Ziel ist es, Forschung, Schulen und politische Bildung zu unterstützen, indem sie dokumentieren, wie sich extremistische Strategien über Jahrzehnte entwickelt haben.
Das Portal dient als kostenlose Ressource, um die historische Entwicklung des Rechtsextremismus in Deutschland nachzuvollziehen. Durch den direkten Zugang zu Primärquellen soll es akademische Studien, den Schulunterricht und das öffentliche Bewusstsein fördern. Die annotierten Materialien liefern deutliche Belege für die Veränderung von Propagandamethoden – von der Nachkriegszeit bis ins digitale Zeitalter.






