04 January 2026, 22:27

Ostdeutschlands dramatischer Geburtenrückgang seit der Wiedervereinigung

Eine Gruppe von Menschen in der Nähe von Gebäuden und Plakaten, mit einem Baby im Kinderwagen.

Ostdeutschlands dramatischer Geburtenrückgang seit der Wiedervereinigung

In Ostdeutschland ist die Geburtenrate seit der Wiedervereinigung drastisch gesunken – von 1,52 auf nur noch 0,77 Kinder pro Frau. Dieser Rückgang hat die Region mit einer alternden Bevölkerung und weniger jungen Menschen zurückgelassen, da viele in den Westen abgewandert sind. Mittlerweile haben Bund und Länder mit finanziellen Anreizen und Fördermaßnahmen gegensteuern wollen, um den Trend umzukehren.

Der stärkste Geburtenrückgang erfolgte unmittelbar nach der Wiedervereinigung 1990. Wirtschaftliche Umbrüche, Abwanderung und gesellschaftliche Veränderungen ließen die Geburtenrate im Osten schneller sinken als im Westen. Bis 2024 stieg das Durchschnittsalter in Ostdeutschland auf 47,6 Jahre – drei Jahre höher als im Westen.

Sachsen verzeichnet mittlerweile die wenigsten Geburten aller deutschen Bundesländer mit nur 1,22 Kindern pro Frau. Brandenburg führt im Osten mit 1,34, liegt damit aber immer noch unter Niedersachsens 1,42, dem höchsten Wert bundesweit. Gleichzeitig haben seit 1991 rund 727.000 junge Menschen den Osten in Richtung Westen verlassen, was das demografische Ungleichgewicht weiter verschärft. Um dem Problem zu begegnen, haben Bund und Länder neue Maßnahmen auf den Weg gebracht. Seit 2013 wurde die Kinderbetreuung flächendeckend ausgebaut, mit zusätzlichen Mitteln für die Jahre 2023 bis 2025. Die Elterngeldreform 2024 erhöhte die Leistungen um bis zu 20 Prozent. Einige Bundesländer wie Sachsen und Thüringen gewähren mittlerweile Babyprämien zwischen 1.000 und 10.000 Euro. Flexiblere Elternzeitmodelle und Wohnungszuschüsse sollen junge Familien zusätzlich entlasten.

Von der sinkenden Geburtenrate und Überalterung sind vor allem ländliche Regionen im Osten betroffen. Trotz der staatlichen Bemühungen hinkt der Osten beim Geburtenniveau weiterhin dem Westen hinterher. Ob es langfristig gelingt, den Trend zu bremsen oder gar umzukehren, wird davon abhängen, wie wirksam die neuen Maßnahmen greifen.