Pfefferspray-Attacke auf Kontrolleure in Pforzheim erschüttert Nahverkehr
Margot RudolphMänner greifen Busfahrkartenkontrolleure in Pforzheim an - Pfefferspray-Attacke auf Kontrolleure in Pforzheim erschüttert Nahverkehr
Zwei Kontrolleure bei Angriff an Bushaltestelle in Pforzheim verletzt
Am Freitagnachmittag wurden zwei Fahrkartenkontrolleure an einer Bushaltestelle in Pforzheim angegriffen. Die Männer erlitten leichte Verletzungen, nachdem sie zu Boden gestoßen und mit Pfefferspray besprüht worden waren. Die Polizei fahndet nun nach den beiden Tätern, die sich vor Eintreffen der Beamten vom Tatort entfernten.
Der Vorfall reiht sich in die wachsende Besorgnis über Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr in Deutschland ein. Erst im Februar war ein Zugbegleiter bei einem tödlichen Angriff ums Leben gekommen – ein Fall, der bundesweit Forderungen nach besseren Sicherheitsvorkehrungen auslöste.
Der Angriff ereignete sich, als drei Kontrolleure einen Bus betreten wollten. Zwei Männer, die offenbar einer Fahrkartenprüfung entgehen wollten, stießen die Beamten gewaltsam zu Boden. Einer der Angreifer schlug zudem einem Kontrolleur ins Gesicht und setzte Pfefferspray ein. Alle drei Opfer erlitten leichte Verletzungen und wurden zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht.
Die Täter konnten vor dem Eintreffen der Polizei fliehen; bislang gab es keine Festnahmen. Die Ermittler gehen von gefährlicher Körperverletzung aus und bitten Zeugen, sich zu melden.
Der Vorfall folgt nur wenige Monate auf den Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz Anfang Februar, der von einem Schwarzfahrer erstochen worden war. Die Tragödie führte zu einem Sicherheitssippen der Bahn, bei dem DB-Chefin Evelyn Palla und andere Verantwortliche einen Sieben-Punkte-Plan zum besseren Schutz der Mitarbeiter beschlossen. Dazu gehörten Körperkameras für Beschäftigte, die Einstellung von 200 zusätzlichen Sicherheitskräften, Notfallknöpfe in Zügen sowie Deeskalationstrainings. Zudem wurden ab dem 1. März verpflichtende Ausweiskontrollen bei Fahrkartenprüfungen ausgesetzt, um Konflikte zu entschärfen.
Trotz dieser Maßnahmen hält die Gewalt gegen Verkehrsmitarbeiter an. Anfang März wurde ein Zugbegleiter in einem ICE nach Berlin angegriffen, und weitere Vorfälle hielten das Thema in der öffentlichen Diskussion präsent. Rheinland-Pfalz' Ministerpräsident Alexander Schweitzer schlug daraufhin vor, ein bundesweit einheitliches Deutschland-Ticket mit Lichtbild einzuführen, um Betrug zu erschweren und Konflikte zu verringern.
Die beiden Angreifer sind weiterhin flüchtig; die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Die verletzten Kontrolleure konnten das Krankenhaus inzwischen verlassen. Unterdessen dauern die Debatten an, wie Mitarbeiter im öffentlichen Verkehr besser vor Gewalt geschützt werden können. Die jüngsten Vorfälle unterstreichen die Forderungen nach konsequenteren Sicherheitsmaßnahmen.