02 January 2026, 04:32

Sachsen kämpft um Pflegefamilien – Kinder warten monatelang auf ein Zuhause

Kinder auf Bänken in der Vordergrund, mit Erwachsenen, die sie führen, und einem Hintergrund mit Stühlen, einer Tür, einem Fenster, einem Tisch, Ballons und Text oben.

Sachsen kämpft um Pflegefamilien – Kinder warten monatelang auf ein Zuhause

Sachsen leidet unter einem dramatischen Mangel an Pflegefamilien – besonders in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz wird es immer schwieriger, ein Zuhause für schutzbedürftige Kinder zu finden. Das Jugendhilfesystem gerät zunehmend unter finanziellen Druck, während die Zahl der Bewerber trotz steigender Nachfrage weiter sinkt.

In Dresden werden derzeit Pflegeeltern für 15 Kinder gesucht, doch es melden sich immer weniger Freiwillige. Die Stadt hat bereits 412 Kinder in 348 Pflegefamilien untergebracht; allein die Vollzeitbetreuung kostete im vergangenen Jahr rund neun Millionen Euro. Auch Chemnitz sucht dringend Betreuungspersonen für 15 Kinder, wobei vier potenzielle Familien derzeit geprüft werden.

Die Herausforderungen gehen jedoch über reine Zahlen hinaus. Viele Kinder, die in Obhut kommen, bringen komplexe Bedürfnisse mit – von psychischen Problemen über Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Drogenvergangenheiten. Die Diakonie Sachsen warnt, dass die finanziellen Anreize nach wie vor gering sind: Pflegeeltern erhalten weder Elternzeit noch Rentenbeiträge oder Unterstützung bei der Krankenversicherung. Ab 2025 soll das Pflegegeld für ein Kind unter sechs Jahren bei 1.178 Euro monatlich liegen, für ältere Kinder höher ausfallen. Kritiker halten dies jedoch für unzureichend, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Gleichzeitig sind die Jugendämter in ganz Sachsen am Limit – oft greifen sie erst ein, wenn ein Kind akut aus der Familie genommen werden muss.

Ohne mehr Pflegefamilien drohen schutzbedürftigen Kindern in Sachsen längere Wartezeiten auf ein stabiles Zuhause. Die finanziellen Belastungen des Systems und der Personalmangel verschärfen die Dringlichkeit. Die Behörden appellieren weiterhin an die Bevölkerung, sich als Pflegeeltern zu engagieren – doch die Nachfrage übersteigt das schwindende Angebot bei Weitem.