10 January 2026, 22:39

Thomanerchor bricht mit Tradition: Erster katholischer Kantor in Leipzig

Eine Gruppe von Musikern in schwarzer Kleidung, die verschiedene Instrumente spielen, mit einem Mikrofon vor dem Geigenvirtuosen und einem Gebäude im Hintergrund.

Thomanerchor bricht mit Tradition: Erster katholischer Kantor in Leipzig

Der Leipziger Thomanerchor, ein protestantisches Aushängeschild, hat mit Andreas Reize einen neuen Leiter berufen – ein historischer Bruch mit der Tradition. Reize, der als Katholik der 18. Nachfolger Johann Sebastian Bachs im Amt des Thomaskantors wird, setzte sich in einem Auswahlverfahren durch, das auf Kompetenz und nicht auf konfessionelle Zugehörigkeit Wert legte.

Der Thomanerchor gilt seit jeher als Symbol sächsischer protestantischer Identität und bewahrte selbst in der DDR-Zeit seine Unabhängigkeit und enge Verbindung zu den Leipziger Kirchen. Nun übernimmt mit Reize erstmals ein Katholik die Leitung des Chors – doch nach Angaben der Verantwortlichen spielte sein Glaubensbekenntnis bei der Entscheidung keine Rolle.

Die Aufnahme in den Thomanerchor ist hart umkämpft: Bewerber durchlaufen eine sechsmonatige Probezeit, in der musikalisches Talent, Persönlichkeit und schulische Leistungen geprüft werden. Nur die vielversprechendsten Kandidaten werden in den Chor aufgenommen, der eng mit dem Bildungsprogramm der Leipziger Thomasschule verknüpft ist. Reize bringt tiefgreifende Expertise in Musik und Theologie mit – Eigenschaften, die ihn auszeichnen. Seine Vision umfasst die Entwicklung des Thomanerchors zu einer "internationalen Marke", um deutsche Sprache und Kultur weltweit zu fördern. Der exzellente Ruf des Chors in Kombination mit Reizes Führung könnte seine globale Strahlkraft weiter verstärken.

Mit Reizes Berufung endet eine jahrhundertealte protestantische Tradition, doch sie entspricht dem Leistungsprinzip des Chors. Seine Leitung wird die Zukunft des Thomanerchors prägen – zwischen bewahrenswerten Wurzeln und modernen Ambitionen. Die hohen Ansprüche des Chors und seine kulturelle Bedeutung bleiben dabei unverändert zentral.