16 January 2026, 12:12

Tödlicher Angriff: American Bully beißt Halter in Niedersachsen tot

Eine Buchseite mit verschiedenen Hundewelpen und begleitendem Text, der ihre Eigenschaften beschreibt.

Aggressiv oder gefährlich? Wenn Hunde eine Temperamentsprüfung absolvieren müssen - Tödlicher Angriff: American Bully beißt Halter in Niedersachsen tot

Ein 33-jähriger Mann aus Lohne in Niedersachsen ist am Donnerstag gestorben, nachdem er von seinem eigenen American Bully tödlich gebissen worden war. Der Vorfall ereignete sich im Stadtteil Brockdorf. Die Behörden haben daraufhin eine Verhaltensbeurteilung des Hundes angeordnet. Sein weiteres Schicksal hängt nun von den Ergebnissen dieses Tests ab, der zu einer Vermittlung, einer Verhaltenstherapie oder – im Extremfall – zur Euthanasie führen könnte.

Der Hund befindet sich derzeit in einem Tierheim und wartet auf eine tierärztliche Untersuchung. Dieser Schritt ist Voraussetzung für den offiziellen Wesenstest, der prüfen soll, ob das Tier "gestörtes aggressives" oder "unangemessen aggressives" Verhalten zeigt.

Der Test selbst dauert etwa eine Stunde und umfasst mehrere Phasen. Ein zugelassener Tierarzt mit spezieller Ausbildung wird zunächst den Besitzer des Hundes zu früheren Vorfällen und Haltungsbedingungen befragen. Anschließend beobachtet er das allgemeine Verhalten des Tieres, seine Bindung zum Halter sowie seine Reaktionen in nachgestellten Alltagssituationen – etwa bei Begegnungen mit Fremden oder anderen Hunden. Anders als in einigen Bundesländern stuft Niedersachsen bestimmte Hunderassen nicht pauschal als gefährlich ein. Stattdessen konzentriert sich das Gesetz auf falsche Haltung oder Erziehung durch die Besitzer. Besteht der Hund die Prüfung, darf er unter strengen Auflagen – wie Maulkorb- oder Leinenpflicht – bei seinem Halter bleiben. Fällt das Ergebnis jedoch negativ aus, folgt eine weitere tierärztliche Bewertung, um zu klären, ob eine Verhaltenstherapie möglich ist oder ob strengere Maßnahmen erforderlich sind. Die Euthanasie bleibt dabei die letzte Option und wird nur in Betracht gezogen, wenn der Hund weiterhin eine ernste Gefahr darstellt oder eine unbehandelbare medizinische Störung vorliegt.

Das Ergebnis des Wesenstests wird maßgeblich über die Zukunft des American Bully XL entscheiden. Wird er unter Auflagen als sicher eingestuft, könnte er mit einer Erlaubnis für gefährliche Hunde zu seinem Besitzer zurückkehren. Zeigt die Beurteilung jedoch anhaltende Aggression, müssen die Behörden zwischen Therapie, Vermittlung oder – ganz zuletzt – Euthanasie abwägen. Der Fall verdeutlicht, wie Niedersachsen auf individuelle Bewertungen setzt, statt pauschale Rasseverbote zu verhängen.