22 January 2026, 08:46

Trumps Nobelpreis-Bewerbung macht aus Cantz’ Witz bittere Realität

Ein älterer Mann im Anzug und Krawatte lächelt vor einer roten Wand und sieht aus wie ein Nobelpreisträger.

Guido Cantz: Trump lässt Satiriker alt aussehen - Trumps Nobelpreis-Bewerbung macht aus Cantz’ Witz bittere Realität

Ein Witz des deutschen Komikers Guido Cantz über Donald Trumps möglichen Gewinn des Friedensnobelpreises hat eine unerwartete Wendung genommen. Der ehemalige US-Präsident schrieb kürzlich an Norwegens Ministerpräsidenten, um seinen Anspruch auf die Auszeichnung zu untermauern. Was einst als Satire begann, wirkt nun beunruhigend nah an der Realität.

Vor Jahren scherzte Cantz, Trump werde sich den Nobelpreis "mit Gewalt" sichern. Damals klang die Idee absurd – eine offensichtliche Übertreibung für den komischen Effekt. Doch in den letzten Tagen sandte Trump tatsächlich einen Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre, in dem er darlegte, warum er die Ehre verdiene.

Der Ex-Präsident beanspruchte für sich, acht Kriege beendet zu haben, und präsentierte dies als Beleg seiner Qualifikation. Sein direkter Appell an die norwegische Führung hat Cantz’ alten Witz in ein neues Licht gerückt. Der Komiker gibt mittlerweile zu, dass der Scherz seine Komik verloren habe, weil die Realität ihn eingeholt hat.

Trump war für Cantz schon immer eine schwierige Figur für die Comedy. Das rasante Tempo, in dem der ehemalige Präsident Aussagen trifft und handelt, macht sein Material fast über Nacht veraltet. Was an einem Tag noch aktuell wirkt, ist am nächsten oft schon überholt – Satire wird so zu einem beweglichen Ziel.

Das Norwegische Nobelkomitee, das über den Friedensnobelpreis entscheidet, hat sich zu Trumps Brief nicht geäußert. 2021 ging die Auszeichnung an die Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratow für ihr Engagement für die Meinungsfreiheit. Trumps jüngster Vorstoß hat jedoch die Debatte über die Kriterien und das Verfahren der Preisvergabe neu entfacht.

Für Cantz verschwimmt die Grenze zwischen Komödie und Wirklichkeit. Seine einst abstruse Pointe spiegelt nun Trumps eigene Bemühungen wider, den Friedensnobelpreis zu ergattern. Unterdessen bleibt der Brief des Ex-Präsidenten in politischen und diplomatischen Kreisen ein viel diskutiertes Thema.