Verlassene Fernmeldetürme: Warum die meisten Bauwerke heute im Dunkeln stehen
Hans D. FinkeVerlassene Fernmeldetürme: Warum die meisten Bauwerke heute im Dunkeln stehen
Deutschlands ikonische Fernmeldetürme waren einst lebendige Treffpunkte, die Besuchern atemberaubende Panoramen und ein pulsierendes Nachtleben boten. Doch heute stehen die meisten verlassen da – ihre Aussichtsplattformen und Restaurants sind wegen hoher Kosten und technologischen Wandels geschlossen. Nun entscheidet eine Debatte über Finanzierung und Sicherheit, welche Türme wiedereröffnet werden könnten und welche für immer im Dunkeln bleiben.
Vor Jahrzehnten waren viele dieser Bauwerke gesellschaftliche Mittelpunkte. Der 338 Meter hohe "Ginnheimer Spargel" im Frankfurter Stadtteil Ginnheim beherbergte einst ein Drehrestaurant und den Nachtclub "Sky Tower", bis er 1999 seine Türen schloss. Auch andere Türme wie der Kölner "Colonius" oder das Nürnberger "Ei" zogen einst Scharen von Besuchern an, bevor finanzielle Probleme sie zur Schließung zwangen. Nur noch das meiste sind in Betrieb: der Fernsehturm am Berliner Alexanderplatz, der Düsseldorfer Rheinturm, der Dortmunder Florianturm und der Stuttgarter Frauenkopfturm. Der Olympiaturm in München soll nach Modernisierungsarbeiten bald wieder öffnen.
Zwei zentrale Probleme haben den Niedergang beschleunigt. Erstens haben verschärfte Sicherheitsvorschriften Reparaturen und Instandhaltung deutlich verteuert. Zweitens setzt die moderne Übertragungstechnik auf Glasfaserkabel und Satelliten, sodass viele Türme ohne zahlungskräftige Mieter dastehen. Die meisten gehören der DFMG (Deutsche Funkturm Management Gesellschaft), einer Tochter der Deutschen Telekom, die heute unter dem Namen GD Towers mit Investoren zusammenarbeitet. Es gibt jedoch Bemühungen, einige Türme wiederzubeleben. Eine Machbarkeitsstudie für den "Ginnheimer Spargel" bezifferte die Sanierungskosten auf 50 Millionen Euro, wobei die Bundesregierung die Hälfte übernehmen würde – vorausgesetzt, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt teilen sich die restlichen Kosten. Doch ohne Einigung in Sicht und mit dem Auslaufen der Bundeszusage Ende 2025 geht die DFMG davon aus, dass der Turm geschlossen bleibt.
Unterdessen stehen die Türme in Hamburg und Dresden kurz vor der Wiedereröffnung, finanziert nach einem ähnlichen Modell. Der Mannheimer Wasserturm wird am 31. Dezember 2025 schließen, sofern keine neuen Mittel fließen. Das Schicksal anderer Türme wie des Frankfurter Europa-Turms bleibt ungewiss – Streitigkeiten über Eigentumsverhältnisse und stockende Verhandlungen blockieren eine Lösung.
Ohne frisches Kapital oder eine kostenteilige Vereinbarung droht vielen Türmen die endgültige Schließung. Zwar hat die Bundesförderung einigen geholfen, doch für andere läuft die Zeit davon. Bis auf wenige Ausnahmen bleiben die meisten für Besucher verschlossen – ein leises Ende einer Ära, in der diese gigantischen Bauwerke öffentliche Begegnungsstätten waren.