Vom kasachischen Dorf zum deutschen Meistertitel: Der außergewöhnliche Weg des Andreas Neufeld
Elfriede WielochVom kasachischen Dorf zum deutschen Meistertitel: Der außergewöhnliche Weg des Andreas Neufeld
Andreas Neufeld verließ in den frühen 1990er-Jahren als Kind mit seiner Familie Kasachstan und zog nach Deutschland. Seine Familie, die zu den Russlanddeutschen zählt, suchte in Nordrhein-Westfalen ein neues Leben, bevor sie sich schließlich in Baden-Württemberg niederließ. Heute ist Neufeld verbeamteter Lehrer und deutscher Meister im Gewichtheben – ein beeindruckender Werdegang vom kleinen Dorf in die sportliche und berufliche Erfolgsspur seiner neuen Heimat.
Geboren wurde Neufeld in Komsomolez, einem Dorf in der Region Kostanay in Kasachstan, das heute Karabalyk heißt. Sein Vater, selbst Gewichtheber-Trainer, brachte ihm den Sport früh näher. Die Entscheidung der Familie zur Auswanderung fiel in der postsowjetischen Ära, als viele Russlanddeutsche Zentralasien verließen, um in Deutschland eine neue Zukunft aufzubauen.
Am 6. Juni 1991 traf Neufeld mit Verwandten seines Vaters in Deutschland ein, während die Familie seiner Mutter zwei Jahre später folgte. Zunächst lebten sie in Dortmund-Nette, später zogen sie nach Eberbach-Pleutersbach in Baden-Württemberg. Dort meisterte Neufeld den Spagat zwischen Schule und Sport – und widmete sich schließlich beiden Bereichen mit gleicher Leidenschaft.
Von 1998 bis 2016 war er als Gewichtheber aktiv im Leistungssport unterwegs. Zu seinen größten Erfolgen zählen mehrere deutsche Meistertitel sowie eine Silbermedaille bei den Junioren-Europameisterschaften. 2011 belegte er bei den Weltmeisterschaften in Paris Platz 11 und stellte dabei persönliche Bestleistungen auf.
Heute unterrichtet Neufeld an einer Grundschule – eine Tätigkeit, die ihn tief erfüllt. Obwohl er sich in Deutschland längst zu Hause fühlt, hofft er eines Tages nach Kasachstan zurückzukehren, um seine Wurzeln wiederzuentdecken. Sein jüngster Triumph gelang ihm 2023 als deutscher Meister in der Altersklasse 40–45 der Masters-Kategorie.
Neufelds Lebensweg spannt sich über Kontinente – vom kasachischen Dorf bis auf deutsche Siegerpodeste. Noch immer ist er im Gewichtheben aktiv, während er im Klassenzimmer junge Köpfe prägt. Zwar plant er keine dauerhafte Rückkehr, doch die Verbindung zu Kasachstan bleibt neben seinem Leben in Deutschland lebendig.






