Wasserstoff-Reichweitenverlängerer für E-Fahrzeuge startet Praxistest in Deutschland
Hans D. FinkeWasserstoff-Reichweitenverlängerer für E-Fahrzeuge startet Praxistest in Deutschland
Ein neues wasserstoffbetriebenes Reichweitenverlängerungssystem für Elektrofahrzeuge wird in Deutschland nun in der Praxis erprobt. Entwickelt vom Institut für Maschinen- und Anlagentechnik Chemnitz (ICM), soll das System die Einsatzflexibilität erhöhen und Stillstandzeiten in Logistikflotten verringern. Das Vorhaben wird vom Bund gefördert und vereint wichtige Partner aus Industrie und Forschung.
Die Demonstrationsanlage, die mittlerweile voll funktionsfähig ist, wurde präzise an die Anforderungen der Praxis angepasst. Ingenieure optimierten Einsatzprofile, Fahrtrouten und Kommunikationsprotokolle, um eine reibungslose Integration in bestehende Arbeitsabläufe zu gewährleisten. Die zugehörige Wasserstofftankstelle, die vom TÜV zertifiziert wurde, unterstützt die aktuelle Testphase.
Im nächsten Schritt verlagert sich die Erprobung auf intralogistische Umgebungen, wo die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit des Reichweitenverlängerers bewertet wird. Ziel ist es, die Eignung von Wasserstoff als Lösung zur Verlängerung der Einsatzdauer elektrischer Bodenfahrzeuge nachzuweisen. Projektpartner wie Yaskawa Europe GmbH und die Hochschule Landshut werden die Leistung unter Alltagsbedingungen überwachen.
Das deutsche Wasserstofftankstellennetz umfasst derzeit rund 50 öffentliche Stationen – ein Rückgang gegenüber den 80 Standorten vor zwei Jahren. Die meisten sind auf Pkw mit 700 bar Druck ausgelegt, während einige wenige Lkw und Busse mit 350 bar bedienen. Neuere Anlagen, etwa in Düsseldorf und Ludwigshafen, setzen gezielt auf die Infrastruktur für Schwerfahrzeuge. Das Projekt reiht sich in die übergeordneten Bestrebungen des 7. Energieforschungsprogramms ein, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) finanziert wird.
Die Tests sollen zeigen, ob wasserstoffbetriebene Reichweitenverlängerer die Effizienz in der Logistik steigern können. Bei Erfolg könnte die Technologie Stillstandzeiten in Flotten reduzieren und die Verbreitung elektrischer Fahrzeuge in industriellen Anwendungen vorantreiben. Die Ergebnisse fließen in Deutschlands laufende Initiativen zur Energiewende ein.
Industrie-Adoption bekommt Schwung
Die praktische Erprobung des ICM-Wasserstoff-Range-Extenders stimmt mit breiteren Branchenverschiebungen überein. Die BMW Group wird ab 2026 Wasserstoff-betriebene Strecken-Züge und -Hubwagen in ihrer Regensburg-Fabrik einsetzen und ein 2 km langes Pipeline-Netzwerk sowie sechs dezentrale Stationen installieren. Mercedes-Benz Düsseldorf nutzt seit 2012 Wasserstoff-Hubwagen, wobei es von einem Pilotprojekt zur großflächigen Nutzung bei der Sprinter-Produktion übergegangen ist. Beide Fälle zeigen die Rolle des Wasserstoffs bei der Reduzierung von Ausfallzeiten und der Optimierung der Logistik-Effizienz.





