Wie Sonnenblumen und Co. vergiftete Böden natürlich reinigen können
Elfriede WielochWie Sonnenblumen und Co. vergiftete Böden natürlich reinigen können
Landwirtschaftliche Böden enthalten oft schädliche Schadstoffe wie Nitrate, Pestizide, Metalle und Kunststoffe. Forscherinnen und Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) untersuchen nun, wie bestimmte Pflanzen helfen können, diese Belastungen auf natürliche Weise zu beseitigen.
Das UFZ, das mit rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg forscht, widmet sich der Erforschung von Umweltveränderungen und der Entwicklung praktischer Lösungen. Aktuell liegt der Fokus auf der Phytosanierung – einem Verfahren, bei dem Zwischenfrüchte oder spezielle Pflanzen eingesetzt werden, um unerwünschte Stoffe im Boden abzubauen oder zu binden.
Phytosanierung funktioniert, indem gezielt Pflanzen angebaut werden, die Schadstoffe aufnehmen oder abbauen. Besonders wirksam sind dabei sogenannte Hyperakkumulatoren. Die Alpen-Gartenkresse (Thlaspi caerulescens) etwa kann Schwermetalle wie Cadmium und Zink aus dem Boden ziehen. Indischer Senf (Brassica juncea) bekämpft sowohl Schwermetalle als auch Nitrate, während Sonnenblumen (Helianthus annuus) bei der Beseitigung von Pestiziden und Metallen helfen.
Weitere nützliche Pflanzen sind Roggen und Raps, die unerwünschte Metalle extrahieren, sowie Sonnenblumen, Süßgras oder Indischer Hanf, die Pestizidrückstände abbauen. Roggen und Sonnenblumen verhindern zudem, dass überschüssiges Nitrat ins Grundwasser sickert. Auch das Schilfrohr (Phragmites australis) ist eine Option, da es Nitrate und Pestizide bindet.
Dieser Ansatz ist klimaneutral und nutzt natürliche Prozesse. Dennoch ist weitere Forschung nötig, um die Methode für den großflächigen Einsatz in der Landwirtschaft zu optimieren. Um die Praxistauglichkeit zu testen, startet ein UFZ-Team im Sommer 2025 eine Freilandstudie, in der untersucht wird, wie gut die Pflanzen unter realen landwirtschaftlichen Bedingungen wirken.
Ziel der UFZ-Studie ist es, Landwirtinnen und Landwirten wirksame, naturbasierte Werkzeuge für die Bodensanierung an die Hand zu geben. Bei Erfolg könnte die Phytosanierung zu einer Standardmethode werden, um Schadstoffe in Ackerböden zu reduzieren. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Pflanzen am besten geeignet sind und wie sie sich in verschiedenen Anbausystemen effizient einsetzen lassen.