Deutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Margot RudolphDeutsche Industrie im Umbruch: Warum die Angst vor Deindustrialisierung übertrieben ist
Die deutsche Industrie im Wandel – doch die Angst vor Deindustrialisierung ist übertrieben
Drei große Studien des ifo Instituts, des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Bertelsmann Stiftung zeichnen ein differenziertes Bild: Einige Branchen boomen, andere kämpfen mit ernsten Herausforderungen. Die Ergebnisse deuten eher auf einen strategischen Wandel hin als auf einen flächendeckenden Niedergang.
Der Großteil des deutschen verarbeitenden Gewerbes konzentriert sich mittlerweile auf wachstumsstarke Produkte. Rund 76 Prozent der Bruttowertschöpfung des Sektors stammen aus Branchen, in denen die Nachfrage in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Selbst in traditionellen Bereichen wie der Metallverarbeitung oder der Chemie setzen Unternehmen zunehmend auf innovative, schnell wachsende Segmente.
Eine auffällige Ausnahme bildet jedoch die Automobilindustrie. Die deutschen Pkw-Exporte nach China sind seit 2018 dramatisch eingebrochen – von etwa 570.000 auf rund 360.000 Fahrzeuge im Jahr 2023. 2024 setzte sich dieser Abwärtstrend fort, angetrieben durch den harten Wettbewerb chinesischer E-Auto-Hersteller wie BYD, eine schwächere Konjunktur in China und veränderte Verbraucherpräferenzen zugunsten lokal produzierter Elektrofahrzeuge. Die neuen EU-Zölle auf chinesische Importe verschärfen den Druck zusätzlich.
Forschende argumentieren, dass die industrielle Zukunft Deutschlands in einem hybriden Modell liegen könnte: die Entwicklung hochwertiger Produkte im Inland bei gleichzeitiger Auslagerung der Produktion ins Ausland. Dafür seien jedoch unterstützende Rahmenbedingungen entscheidend – etwa ein besserer Zugang zu Kapital, Steueranreize und flexiblere Regulierungen. Statt veraltete Strukturen zu schützen, sollte der Fokus auf Innovation und Anpassungsfähigkeit liegen.
Die Studien zeigen: Die deutsche Industrie steht nicht vor dem Kollaps, sondern durchläuft einen ungleichmäßigen Wandel. Während viele Unternehmen erfolgreich auf wachstumsorientierte Produkte umgestiegen sind, unterstreichen die Probleme der Autoindustrie die Notwendigkeit gezielter Reformen. Ohne politische Weichenstellungen, die Innovation und globale Wettbewerbsfähigkeit fördern, könnten selbst starke Branchen langfristig Risiken ausgesetzt sein.






