07 May 2026, 12:24

Halberstadts verdrängte jüdische Vergangenheit und die Lügen der DDR-Politik

Metallplatte an einem Gebäude mit der eingravierten Inschrift "Adolf Abraham Oppenheimer".

Halberstadts verdrängte jüdische Vergangenheit und die Lügen der DDR-Politik

Die jüdische Geschichte Halberstadts und die Versäumnisse der antifaschistischen Politik der DDR geraten erneut in den Fokus. In seinem neuen Buch „Verleugnetes Erbe“ untersucht Philipp Graf, wie die DDR jüdisches Kulturgut tilgte, während sie gleichzeitig behauptete, den Faschismus zu bekämpfen. Die Vergangenheit der Stadt – von der Zerstörung der Synagoge 1938 bis zum Verkauf der Rathauspassagen 2018 – hat die Debatten über Erinnerung und Verantwortung wiederbelebt.

Die Vernichtung der jüdischen Gemeinde Halberstadts begann lange vor Kriegsende. 1938 wurde die Synagoge abgerissen – ein Ereignis, das Pastor Martin Gabriel später als den eigentlichen Beginn des Niedergangs der Stadt bezeichnete. Bis 1942 war die Gemeinde ausgelöscht. Nach dem Krieg inszenierte sich die DDR als antifaschistisch, doch Grafs Recherchen zeigen: Trotz der Verdienste von Persönlichkeiten wie der Sängerin Lin Jaldati oder dem Schriftsteller Jurek Becker fehlte es an einer echten Bewahrung jüdischen Erbes.

Ein 1949 errichtetes Mahnmal am ehemaligen Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge ehrte zunächst die Opfer von Zwangsarbeit. Doch 1969 wurde es zu einer Stätte politischer Gelöbnisse umgestaltet – direkt über den Gräbern der Häftlinge. Später nutzte die National Volksarmee die Lagerstollen als Militärdepot. Graf argumentiert, dass die DDR-Analysen zum Faschismus, erst 1949 und erneut 1989, fehlerhaft waren und schnell wieder fallen gelassen wurden.

Jahrzehnte später zwang der Verkauf des Einkaufszentrums Rathauspassagen 2018 zu einer erneuten Auseinandersetzung. Grafs Buch fordert nun eine Überprüfung alter Deutungsmuster und eine klarere Abrechnung mit rechtsextremen wie linksautoritären Tendenzen.

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Grafs Arbeit deckt die Lücken in der antifaschistischen Erzählung der DDR und ihre Vernachlässigung jüdischer Geschichte auf. Das Buch stellt die Leser vor die Frage, wie Erinnerung in der Nachkriegszeit geformt – und oft unterdrückt – wurde. Für Halberstadt bedeutet das, sich einem Erbe zu stellen, das nie wirklich anerkannt wurde.

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